Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1914-06-01
- Page
- 260 (sequence 5)
- Language
- German
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260 Fm deutschen Reich. dativen Agitatoren kein Bedenken tragen, den Versuch zu machen, die Austrittsbewegung durch Aufstachelung antisemitischer Instinkte einzudämmen. Die Versuche, aus der Austrittsbewegung Kapital für den Antisemitismus zu schlagen, rufen fast nur den Spott der Konfessionslosen hervor. Das Münchener Blatt „Der Freidenker" bespöttelte schon die Versuche der konservativen Presse, herauszubekommen, „ob nicht der alte Haß der Juden gegen Christus hinter der Kirchenfrindschast stecke". Ebenso humoristisch fertigte es die Versuche ab, zu behaupten, daß wahrscheinlich r a s s e f r e m d e E l e m e n t e den Kampf gegen die Kirche führten. „Der Freidenker" erklärte am 15. April, „Wenn sich „Reichsbote". und „Germania" einmal die Köpfe von Ernst Ha eck eh Arthur Drews, Wilhelm Ostwald, Ludwig Gurlitt, Adolf Hossmann, Hans Leuß, Heinrich Pens und Bruno Wille ansehen, so werden sie mit Pein bemerken, daß diese den antisemitischen Schreibern noch, sehr Erhebliches zur Auffrischung ihres „arischen" Blutes abgeben können. Das gleiche gilt für die Mitarbeiter des Komitee- Bureaus Otto Lehmann-Rußbüld und Ernst Reuter. Wenn Männer semitischer Abstammung wie Dr. Zepler und Waldeck- Manasse die Kirchenaustrittsbewegung fördern, helfen sie das Unrecht wieder gut machen, das ihre Stammesgenossen anrichteten, zu denen z. B. Friedrich Stahl gehört, der Vater des ^antisemitischen Konservatismus." Die Ausführungen des Münchener „Freidenkers" entsprechen keineswegs den jüdischen Empfindungen. Das katholische Zentrum hat dafür das richtige Verständnis gezeigt, den religiösen Sinn in jüdischen Kreisen gewürdigt und bei Gelegenheit gegen Angriffe geschützt. Ob die Art, in der sich manche „tivoli-konservative" Pastoren und „altnationalliberale" oder „deutsch-völkische" Lehrer öffentlich betragen, geeignet ist, „d e m V o l k e die Religion zu erhalten", und die Austritte aus der Landeskirche zu vermindern, wird die Zukunft zeigen. Von der sozialdemokratischen Presse wurde kürzlich ausführlich berichtet, daß im Metropolsaale in Leipzig der deutsch-völkische Lehrer E. Holz aus Eharkottenburg fast in einem Atem behauptete, der Kaiser sei durch Juden seinem Volke entfremdet, und daß es höchste Zeit sei, die Iüdenmacht in der Methode Pharaos durch Tötung aller Iudenkinder im ersten Jahre oder durch Austreibung der Juden und Beschlagnahme ihrer Besitztümer zu brechen. Soweit verirren sich natürlich die Iugenderzieher nicht, die politisch auf dem Standpunkt der Alt liberalen stehen, aus deren Kreisen übrigens nach .Mitteilung der „Kreuzzeitung"