Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1914-06-01
- Page
- 258 (sequence 3)
- Language
- German
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258 Fm deutschen Reich. nur jene Vorgänge, sondern alle bei ihr mißliebigen Verhält nisse in den Reichslanden ohne jede tatsächliche Berechtigung in Zusammenhang mit dem Judentum. Daß die elsässischeu Juden irgendwie Einlaß zu Mißtrauen gegen ihre deutsche Gesinnung geben, wird Niemand annehmen können, der nicht zugleich der bisherigen deutschen Verwaltung der Reichslande ein unberechtigtes Vorurteil entgegenbringt. Der „Thüringer Landeszeitung", die sich als „offizielles Organ der Thüringer Landwirtschaft" und als „konservativ" bezeichnet, aber mehr als ein Organ der Epigonen Ahlwardts wirkt, schien trotzdem der Austritt des elsässischen Wandervogels aus dem Wandervogel-Bund die Möglichkeit zu bieten, ihre Leser oder wenigstens diejenigen Bauern, welche die größten Kartoffeln bauen, davon zu überzeugen, daß es die Juden seien!- welche den „Elsässischen Wandervogel" dazu gebracht hätten, nicht mit unter das von den Antisemiten in Frankfurt errichtete kaudinische Joch zu kriechen. Von dem erwähnten Austritt sagt die „Thüringer Landeszeitung" unter Hinweis auf die Juden: „Das ließ sich erwarten, und es wäre schade, wenn sich dieses Faktum nicht ereignet hätte. Im Elsaß sind sie führend, die Herren, die dem Wandervogel giftig gesonnen sind. Man braucht nur an die Z a b e r n e r Angelegenheit zu denken, und an die Namen, die damals durch die Presse gingen, diese außerordentlich bezeichnenden Namen." (Damit sind die Namen KalisH und Lewy gemeint, deren Träger, wie dem „ollen, ehrlichen" Thüringer Blatt doch bekannt sein muß. ihre nichtjüdische Abkunft nachgewiesen haben.) „Wir haben also ein neues Beweisstück dafür, was man unter elsäßischlothringischer Kultur zu verstehen hat, und wer ihre Macher sind. Das zu wissen, lohnt immer. Die Reichslande sind gewissermaßen das erlesene Versuchsfeld der internationalen Kasse." - Auf bu\m Ton sind alle Blätter gestimmt, die unter dem Einfluß des „Bundes der Landwirte" stehen, dessen Vorsitzender Freiherr v. Wan gen heim dem Gesamtvorstand des Alldeutschen Verbandes angehört und seinen Antisemitismus auch sonst nicht verhehlt, und dessen Hauptorgan, die „Deutsche Tageszeitung", sich emsig bemüht, zu beweisen, daß das Tivoli- Programm bei den Konservativen nicht nur auf dem Papier steht. Wie weit dabei die Provinzblätter auf ihre Rechnung kommen, hängt davon ab, wie weit ihr Landesteil durch Wunderredner zu einem erlesenen Versuchsfeld öes internationalen Aassenfanatirnus bearbeitet ist und die Leitung des Bundes der Landwirte eine Unterstützung als lohnend erachtet. In der Göttinger Gegend scheint dies nicht so sehr der Fall zu sein wie in Thüringen;