Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Article
- Aus den Parlamenten
- Date
- 1914-06-01
- Page
- 255 (sequence 5)
- Language
- German
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Aus ben Parlamenten. 255 die Anfrage gestellt — natürlich höhnisch —, wie viele jüdische Freiwillige sich für Südwestafrika seinerzeit gemeldet hätten. Das kann ich ihm sehr genau sagen. Nach den Erhebungen haben als Freiwillige teilgenommen 17 Inden, in China haben 16 Inden als Freiwillige teilgenommen. Gemeldet hatten sich aber weit mehr jüdische Freiwillige. Ich stelle dem Herrn Kollegen Nupp den ,,Nachruf" zur Verfügung, den der Oberst Leutwein in Nr. 72 des „Militärwochenblatts" 1904 zugunsten des im Hererofeldzng gefallenen jüdischen Leutnants Bendix erlassen hat. Wenn der Herr Kollege Nupp diesen Nachruf lesen wird, dann wird er wohl nicht mehr derartige antisemitische Nedewendungen hier Vorbringen. Nun komme ich zu den Aeußerungen des Herrn Kriegsministers Er hat den Zustand beklagt, wie er heute besteht. Ich akzeptiere das ohne weiteres. Aber, Herr Kriegsminister, das Beklagen hilft auf diesem Gebiet nicht mehr. Der Herr Kriegsminister hat gesagt, daß der tatsächliche Zustand unzweifelhafL verfassungswidrig sei; er har aber zu gleicher Zeit hinzu gefügt, es sei nicht richtig, „daß er durch verfassung€bidrige Maßnahmen geschaffen oder er* Halen Werwe". Was soll das nun eigentlich heißen? Es soll offenbar heißen, daß der oberste Kriegsherr an diesem tatsächlich verfassungswidrigen Zustand nicht schuld sei und auch nicht die Militärverwaltung. Diese rein negative Tätigkeit genügt nicht. Wir fragen Sie vielmehr: was tun Sie, was haben Sie getan, damit endlich dieser als verfassungswidrig anerkannte Zustand beseitigt wird? (Sehr gut! links.) Darauf gibt uns der Herr Kriegsminister gar' keine Antwort'. Das wäre meiner Ansicht nach viel besser gewesen als die letzten sentimentalen Auslassungen des Herrn Kriegsministers. Ist denn der Einfluß des obersten Kriegsherrn so gering, daß er wirklich auf diesem Gebiet gegen diese Vorurteile nicht ankommen kann, die gegenüber den jüdischen Reserveoffizieren bestehen? Es handelt sich aber tatsächlich um bloße Vorurteile; denn Sie wissen so gut wie wir, daß es vollständig falsch wäre, daß es das größte AnreHs wäre, zu sagen, alle jüdischen Reserveoffiziere seien vollständig unfähig, Vorgesetzte zu sein. Ich will hier von den richtigen Bemerkungen des Kollegen G-othein über die Wunderwirkungen der christlichen Taufe nicht weiter sprechen, möchte aber doch noch auf ein Moment verweisen. Ls ist ganz merkwürdig, daß die jüdischen OffiziersaspiranLexr in ziemlich großer Axxzahl als Offiziersstellvertreter für den Kriegsfall angenommen werden. Also für den Feldzug, für den Kriegsfall sindsie tüchtig genug, nur für die Friedenszeit, für die gesellschaftliche Gleichstellung sind sie nicht genügend. Das ist ja ein deprimierender Zustand, der auf die Dauer nicht mehr haltbar ist uuh uns in den Augen der ganzen Kulturwelt herabsetzt." (Lebhafte Zustimmung links.) Der Abgeordnete Gröber (Zentrum) widerlegte zunächst den Vorwurf des Abg. Gothein, daß seine Partei für die, die Ststistik betreffende Resolution, die auf ihren Antrag beschlossen worden sei, «nichts weiter veranlaßt habe, und erwähnte dann die vom Bundesrat auf die andere Nesolution erteilte Antwort: „Wegen seiner religiösen Aeberzeugung wird beim Heere niemand zurückgesetzt." Dann führ der Redner fort: „Wenn das so wäre, wären wir außerordentlich .zufrieden, undwir hätten dann eigentlich gar keinen Anlaß gehabt, eine solche Nesolution zu fassen. Aber der Herr 'Kriegsminister muß ja selbst zugeben, daß nicht gerade alles auf diesem Gebiete irr Ordnung ist. Dfe von uns schon so häufig