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Im deutschen Reich · 1914-06-01 · Heft 6 (Juni 1914) · p. 254

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 6 (Juni 1914)
Article
Aus den Parlamenten
Date
1914-06-01
Page
254 (sequence 4)
Language
German
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254 Im deutschen Reich» „Der Herr Abgeordnete Goch ein ist eingegangen auf die Frage der Beförderung israelitischer Mitbürger zu Offizieren des Beurlaubtenstandes. Er hat sich bei dieser Gelegenheit auf eine Rede des Generals v. Einem bezogen und, ich glaube, auch auf eine des Generals v. Heeringen, um daraus zu beweisen, daß eine Antwort, die der Bundesrat auf eine Resolution des hohen Hauses erteilt hat, sich mit der Wirklichkeit nicht deckt. Er hat leider nur vergessen, einen Satz aus dieser Rede weiter vorzulesen, in dem nämlich steht,, daß der Zustand, daß schon seit langen Jahren kein israelitischer Soldat, wenn er sonst tüchtig ist, zum Reserveoffizier befördert wurde, gegen die Allerhöchste Bestimmung verstößt. Ich meine, das ist doch sehr wichtig. Meine Herren, daß der gegenwärtige Zustand mit Recht — — hZurufe von den Sozialdemokraten) — darf ich bitten, ausreden zu dürfen —9 daß der gegenwärtige! Zustand mit Recht von den israelitischen Mitbürgern beklagt wird, wird jeder begreifen; ich beklage ihn auch. Indessen handelt es sich um einen tatsächlichen Instand. Daß dieser Zustand an sich verfassungswidrig ist,*) muß ich natürlich zugeben;, daß er aber durch irgendwelche verfassungswidrigen Maßnahmen veranlaßt ist, daß er durch irgendwelche solche Maßnahmen ausrechterhalten wird, das bestreite ich. (Widerspruch und Anrühe links.) Meine Herren, ich kann hinzufügen, nachdem ich mich informiert habe, daß nicht der leiseste Zweifel daran bestehen kann, daß ein Israelit, sobald er die für alle Reservieoffizierafprr'Lnten ganz gleichmäßig vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt, anstandslos zum Offizier befördert werden würde." (Widerspruch und Lachen links.) Abg. Dr. Müller (Meiningen) sagte darauf: „Bevor ich auf die Angriffe und- Einwendungen des Herrn Kriegsministers eingehe, möchte ich einige Aeuß eräugen des Herrn Kollegen Rupp zurückweisen. Er hat den Ausspruch getan, daß „die Fähigkeiten des jüdischen Volkes auf einem anderen Gebiet lägen als die des deutschen Volkes". Ich möchte diesen Gegensatz, der hier zwischen einem angeblichen jüdischen Volke und dem deutschen Volke konstruiert worden ist, aus das allerschärfste zurückweisen. Ich kenne bloß deutsche (Staatsbürger, die gleiche Pflichten und gleiche Rechte haben. Ich halte es für vollständig unzulässig, daß hier in diesem hohen Hause in einer derartigen Weise gegen die klaren Bestimmungen der preußischen Verfassung gegenüber einem Feile des deutschen Volkes vorgegangen wird. Der Herr Kollege Rupp hat daun von einer törichten Aeußerung ans einer zionistischen Versammlung gesprochen. Der Zionismus und der Antisemitismus sind Früchte von demselben Boden. Der Zionismus, eine im übrigen so unbedeutende Bewegung, ist wie der Antisemitismus gewachsen aus dem Boden der konfessionellen Trennung und Zersplitterung, aus dem Boden des religiösen Fanatismus. Wer will, daß derartige Torheiten des Zionismus, die wir ebenso verurteilen' wie Sie, unterbleiben, der möge sich vor allem auch gegen die antisemitischen Exzesse wenden. Ich glaube, daß ich auf diese Bemerkung, die in dieser zionistischen Versammlung gefallen ist, nicht einzugehen brauche. — Herr Kollege Rupp hat aber dann *) Der Minister fyat es für angezeigt gehalten, im stenographi-- schen Bericht das Wort „ist^ durch, das Wort „scheint" zu ersetzen. (Vgl. die Fußnote zn dem. Artikel „Was nun?")

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