Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Article
- Aus den Parlamenten
- Date
- 1914-06-01
- Page
- 253 (sequence 3)
- Language
- German
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Ans den Parlamenten. 253 Wollen? Der Herr Kollege Gothein hat weiter gesagt, wir seien in der Kultur dadurch zurückgeblieben, daß wir keine jüdischen Reserveoffiziere hatten. Ich bin da fast versucht, mit den Worten des Herrn Kriegsministers von vorgestern zu antworten: wenn das nur Kulturfortschritt wäre, daß wir jüdische Reserveoffiziere hätten, dann könnte 'mir diese ganze Kultur gestohlen werden. Meine Herren, der Herr Kollege Gothein hat weiter gesagt, daß sich in den Freiheitskriegen nachgewiesenermaßen die Juden als Offiziere und Heerführer bewährt hätten. Ich will nicht nachprüfen, wie weit 'das richtig ist. Ich möchte den Herrn Kollegen Gothein nur bitten, uns einmal statistisch nachzuweisen, wieviel jüdische Soldaten sich freiwillig gemeldet haben, um vor wenigen Jahren nach Südwestafrika zu gehen. (Abgeordneter Gothein: Eine ganze Anzahl!) — Dann möchte ich Sie bitten, Herr Kollege Gothein, diese Zahl hier einmal ,anzuführen, damit man klar sehen kann, wieviel es waren. Der Herr Kollege Gothein hat als Kronzeugen verschiedene Herren adligen Geschlechts angeführt, die schon im Jahre 1847 für jüdische Offiziere eingetreten seien. Ich möchte dem gegenüber einmal darauf Hinweisen, was am 15. Juni 1847 kein geringerer wie Fürst Bismarck im Abgeordnetenhaus gesagt hat: Wenn ich mir als Repräsentanten der geheiligten Majestät des Königs gegenüber einen Juden denke, dem ich gehorchen soll, so muß ich bekennen, daß ich mich Lief niedergedrückt und gebeugt fühlen würde, daß mich da vielleicht das aufrechte Ehrgefühl verlassen würde, mit welchem ich jetzt meine Pflicht gegen den Staat zu erfüllen bemüht bin. Ich teile diese Empfindungen der Masse der niedrigen Schichten des Volkes und ich schäme mich dieser Gesellschaft nicht! Meine Herren, ich würde diesen Ausspruchs nicht zitiert haben, wenn der Herr Kollege Gothein nicht auch andere Herren zum Beweise der Richtigkeit seiner Behauptungen zitiert hätte. Ich habe vorhin erwähnt, daß ich einmal Gelegenheit gehabt hatte, die Anschauungen von jüdischen offenen, ehrlichen Charakteren selbst zu hören. Ich habe in Berlin einmal einer Zionistenverfammlung beigewohnt. Es war mir ein Vergnügen. Ich will nur einen Ausspruch unter zahlreichen anderen — die anderen sind mir zu scharf, ich will sie nicht erwähnen — von einem jüdischen Professor anführen. Den Ra men habe ich augenblicklich nicht im Kopfe. Er steht zu Hause in meinen Akten. Wenn Herr Gothein Wert darauf legt, werde ich ihm den Ramen gelegentlich Mitteilen. Dieser Professor sagte unter dem größten Beifall der dort zu Tausenden versammelten jüdischen Glaubensangehörigen: wenn wir uns mit dem deutschen Volke verschmelzen, das ist nicht gut für uns, das ist aber auch nicht gut für das deutsche Volk. Meine Herren, der Anschauung dieses Juden brauche ich nichts hinzu- Zusetzen. Machen wir doch einmal den Versuch, den unser früherer Kollege Raab hier einmal vorgeschlagen hat: bilden wir jüdische Regimenter, geben wir ihnen jüdische Offiziere, jüdische aktive Unteroffiziere, und ich will der letzte sein, der, wenn sich diese Regimenter einmal bewährt haben sollten, dann nicht den Forderungen des Herrn Kollegen Gothein zustimmen würdet (Bravo! rechts.) Der Kriegsminister, Generalleutnant v. Falkenhayn, erklärte später: