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Im deutschen Reich · 1914-05-01 · Heft 5 (Mai 1914) · p. 210

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 5 (Mai 1914)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1914-05-01
Page
210 (sequence 7)
Language
German
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210 Im deutschen Reich. schmiedest du, Schmied?" „Wir schmieden Ketten, Ketten!^ „Ach, in die Ketten seid ihr selbst geschlagen!" Am Tage nach der Begründung der Deutsch-völkischen Partei sprach als deren Vertreter der EeneralfekreLär Hennigsen im Künstlerhause zu Leipzig über „Die Juden, die Könige unserer Zeit" und wandte sich dabei, da er bei erfahrenen Leuten für diese den tatsächlichen Verhältnissen so wenig entsprechende Behauptung kaum Glauben zu finden hoffen konnte, besonders an die Jugend, die antisemitisch geschulten Jünglinge vom Deutschnationalen Handlungsgehilsen-Verband und an die sich von jüdischen Ausländern bedroht glaubenden Mitglieder des Vereins deutscher Studenten, die Hennigsens abgedroschenen antisemitischen Phrasen für nagelneue politische Weisheit nahmen und bejubelten. Zuletzt pries der Redner die Praxis der Militärbehörden, keinen Juden Offizier werden zu lassen, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß künftig auch getaufte Juden das Portepee nicht tragen dürfen. Der Hamburger Generalsekretär rief dabei mit Pathos aus: „Daß deutsche Söhne sich von Juden kommandieren lassen, ist unwürdig. Wir sind das Herrenvolk." Dieser Größenwahn beseitigt nicht die Tatsache, daß in Wirklichkeit die Antisemiten „Knechte" sind, die nicht nur die jüdischen Mitbürger, sondern alle freigesinnten Bürger „zu Knechten machen wollen." An der Art, wie der Generalsekretär Hennigsen auf Propagandareisen die deutsch-völkische Sache vertritt, nehmen gereifte Männer, selbst wenn sie eifrige Anhänger der deutschnationalen Richtung sind, ernstlich Anstoß. Das beweist der Bericht der „Allensteiner Zeitung", eines amtlichen Kreisblattes, über eine am 8. April in Allenstein von dem Deutsch-völkischen Reichsvevbanö veranstaltete Versammlung, die übrigens nur von etwa 60 Personen besucht war. lieber den von Hennigsen in dieser Versammlung gehaltenen Vortrag fällte das Amtsblatt nachstehendes Anteil: „Wer zur Fudenfrage jenseits von Sympathien oder Antipathien steht, konnte nur mit lächelnder Verwunderung anhören, was die Juden nach Ansicht des Redners alles auf dem Kerbholze haben. An Agadir und dem Panthersprung nach vorwärts und rückwärts tragen die jüdischen Kapitalisten, die Schuld, Zabern haben die Juden verschuldet usw. Vernünftiges und Unvernünftiges mischten sich kunterbunt durcheinander wie in der Leberwurst die Fett- und Leberstücke. Der ganze Vortrag zeichnete sich durch tendenziöse Einseitigkeit und unverkennbare Abneigung gegen eine gerechte Würdigung aus. Die deutsch-nationale Bewegung schädigt sich, wenn sie Propagandaredner in die Welt sendet, die alles Heil nur in blind-

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