Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1914-05-01
- Page
- 208 (sequence 5)
- Language
- German
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208 Fm deutschen Reich. Wählte. Bei Len nahen Beziehungen jener Sonderbündler zu dem Bund der Landwirte halten wir das für verständlich!. Man sott aber nicht mit Anwahrheiten operieren. Das mögen sich die Schieber hinter den Kulissen gesagt fein lassen. Ae Schristl." — Daß die „Staatsbürger-Zeitung", die sonst mit dem Verband durch „dick und dünn" ging, ihm vorwirft, „mit Anwahrheiten zu operieren", ist wunderbar. Was würde uns begegnen, wenn wir eine so schnöde Sprache führen wollten. Oh! . Oh! Die Magdeburger „Sachsenschau", die einst eine sehr scharfe Iudengegnerin war, macht im Gegensatz, zur „Staatsbürger-Zeitung" kein Hehl daraus, daß sie der antisemitischen Treibereien überdrüssig geworden ist. Bei der Besprechung eines Vorgangs bei einem in Th orrt von dem deutsch-sozialen .Generalsekretär Hennigsen gehaltenen Vortrag erklärte die früher antisemitsche „Sachsenschau" bezüglich der zwangsweisen Ausschließung der Juden von dieser Versammlung: „Die Antisemiten sollten doch endlich erkennen, daß die Ausschließung der Juden eine große Torheit, ja ein Verbrechen ist. Die Tüchtigkeit der Juden wird von allen aufgeklärten Leuten, in erster Linie auch vom Kaiser, offen anerkannt. Jeder nichtjüdische Jurist muß offen zugeben, daß unser Gerichtswesen geistig veröden würde, wenn die Juden nicht als 2<echtsänwälte und Richter ihren überlegenen Geist in die Justiz brächten. Die Juden haben deshalb auch am Hofe offenen Zugang. Wenn man sich an den höchsten Stellen den Besuch von Juden zur Ehre anrechnet, ist es allerdings ein starkes Stück, wenn man sie in einer ganz gewöhnlichen Volksversammlung nicht dulden will. Hochgestellte Leute wissen, daß sie von den Juden noch vieles lernen können. Die Antisemiten haben dies noch weit mehr nötig." Daß selbst im Bunde der Landwirte einzelne angesehene Mitglieder sich nicht mehr scheuen, öffentlich sich bom Antisemitismus loszusagen und, wenn sie auch anfangs dabei auf Widerspruch stoßen, schließlich! doch dadurch in ihrem Ansehen keine Einbuße erleiden, ist gewiß erfreulich. Der jetzt in München tätige frühere Chefredakteur des „Pfälzischen Kuriers", Treutl e r, hat am 18. März in einer zahlreich besuchten Versammlung des Bundes der Landwirte in Hatzloch, nachdem er ein durchaus konservatives Programm entwickelt hatte, schließlich erklärt, es, wäre gut, doch einmal den Versuch zu machen, auf konfessionellem Gebiet etwas verträglicher zu sein. Ein antisemitischer Zwischenruf veranlaßte ihn dann zu nachstehender Aeußerung: „Wir als christliche Deutsche müßten vor allen Dingen das Bestreben haben, m i L d e n Angehörigenaller Konfessionen in Frieden zu leben,