Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1914-05-01
- Page
- 206 (sequence 3)
- Language
- German
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206 Fm deutschen Reichs Nutzung in zweifelhaften Fällen. Der rassenanLisemitische Charakter der Deutsch-Völkischen Partei macht es selbst den Christlich-Sozialen unmöglich, sich ihr anzuschließen, obgleich der Antisemitismus der in den Fußtapfen Stöckers Wandelnden durchaus intensiv ist und die drei christlich-sozialen Abgeordneten Behrens, Burckhardt und Mumm bisher gern mit den deutsch-sozialen Reichstagsabgeordneten in der „Wirtschaftlichen Vereinigung" zusammengearbeitet haben. Wären nicht große Meinungsverschiedenheiten über die Behandlung der Arbeiterfragen ein Hindernis, so würde kaum sonst etwas einer Verschmelzung der Christlich-sozialen Partei mit den Konservativen entgegenstehen, deren Tivoli-Programm allen Ansprüchen der Nachfolger Stöckers genügen dürfte. Der konservative „Reichsvotr" hat auf diese Tatsache wiederholt hingewiesen, und es ist gar nicht ausgeschlossen, daß seiner Lockung früher oder spater Folge geleistet wird. Während die Verschmelzung der Deutsch-sozialen Partei mit der Reformpartei für die Deutschen jüdischen Glaubens sich nur von geringer Bedeutung erweisen dürfte, ist aber diese offenbar zunehmende Anziehungskraft der Konservativen Partei auf viele an der sogenannten deutsch-völkischen Bewegung nicht teilnehmende Antisemiten sehr ernst aufzufassen. Gas Organ des Bundes der Landwirte, die „Deutsche Tageszeitung", hat längst, um den Anhang der konservativen Partei agrarischer Observanz zu vergrößern, sich die scharfe antisemitische Tonart ungeeignet, für welche manche Kreise eine besondere Vorliebe haben, und hat diesen ihre Spalten bereitwillig geöffnet, damit sie nicht nötig haben, ihren Groll gegen dir Juden in minder verbreiteten und einflußloseren Blättern austoben zu lassen. Daß dem Organ der ostelbischen Grundbesitzer die altpreußischen Traditionen, die in der „Kreuz-Zeituna" und dem Adelsblatt offen znm Ausdruck gelangen, sympathischer sind als die deutsch-völkische, nahezu demagogische Strömung, ist kaum zu bezweifeln. Die Mundart der „Deutsch-sozialen Blätter", vorsichrtige, aber doch verständliche Hinweise auf die Fronde, die als „Männerstolz vor Königsthronen" gelten könnte, und gönnerhafte Berichte über Vorträge, die Antisemiten, wie Hennigsen, Werner-Gießen und der konservative Generalsekretär Kunze nahezu kameradschaftlich halten, schaffen schließlich doch eine bequeme Brücke für Anhänger des radikalen Antisemitismus zu den Konservativen für den Fall, daß der deutsch-völkische Schmelztopf löcherig wird. Der „Die Vandalen und die Deutschen" überschriebene Artikel, in dem die Deutsche Tageszeitung die von