Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1914-05-01 · Heft 5 (Mai 1914) · p. 205

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 5 (Mai 1914)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1914-05-01
Page
205 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316841-2316846--24574-2348669
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschau.i 205 sammlung von Vertrauensmännern der Deutsch-sozialen Partei und der Deutschen Reformpartei erfolgte Ausamrnenschlust dieser kleinen antisenritischen KarLeigrnxpen durchaus nicht zu beklagen. Aehnliche Versuche, die zersplitterten antisemitischen Elemente zu verschmelzen, sind bereits früher wiederholt gemacht worden, haben aber bisher ihre Stoßkraft nie vermehrt, sondern nur gezeigt, daß für so grundverschiedene Elemente der blöde Judenhaß, der allein das Gemeinsame ist, doch nicht Bindekraft genug besitzt, ' etwas Ganzes zu schaffen. 1889 erfolgte die Begründung der Deutsch-sozialen Partei, 1890 die der Antisemitischen Volkspartei, 1893 die der Deutsch-sozialen Reformpartei, und im Jahre 1900 spaltete sich diese wieder in zwei Lager, von denenLiebermann das eine und Zimmermann das andere meisterte. Das Hinscheiden dieser beiden Männer machte dann beide Fraktionen nahezu führerlos. Die bei den Reichstags- Wahlen im Jahre 1907 erzielten Erfolge schmolzen bei der nächsten Wahl so zusammen, daß. der Leiter der Deutschsozialen, Amtsgerichtsrat Lattmann, kein Mandat erhielt, von der Deutsch-sozialen Partei nur Herzog, Rupp und Werner- Gießen, von der Deutschen Reformpartei nur Gräfe, Werner- Hersfeld und Bruhn gewählt wurden. Diese Parteimänner, deren Anschauungen sich wiederholt als grundverschieden erwiesen hatten, überzeugten sich aber bald durch , den Abstieg seit jener Zeit, in der die Antisemiten 16 Kandidaten in den Reichstag bringen konnten, daß der Niedergang sich noch verstärken würde, wenn sie nicht die innere Zerklüftung beseitigen und statt der in Mißkredit geratenen Losungen eine zugkräftigere Firma ersinnen würden. Man einigte sich am 22. März auf den Namen einer Deutsch-völkischen Partei, der, nach einer Aeußerung der Zeitschrift „Die Hilfe", als ein Mittel betrachtet werden kann, „die Segel des gebrechlichen Schiffleins mit dem Winde unklarer patriotischer Stimmungen zu füllen". Die Mehrheit des deutschen Volkes wird niemals den mühsam zusammengekleisterten beiden antisemitischen Gruppen. die Berechtigung zuerkennen, durch den deutsch-völkischen Titel die Meinung zu verbreiten, daß sie echte Vertreter des deutschen Volkes sind, mit dessen Charakter es ganz unvereinbar ist, pflichttreue Mitbürger lediglich wegen ihres Religionsbekenntnisses oder ihrer Abstammung zu verachten, zu verschmähen und ihre 'Entrechtung zu fordern. Wie das Wesen der antisemitischen Bewegung sind auch die demagogischen Mittel, die dabei benutzt werden, so widerwärtiger Art, daß sie nur abstoßend wirken und es andern politischen Parteien verleiden müssen, sich mit Schwarmgeistern weiter einzulassen als höchstens zu gelegentlicher Be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.