Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- An die jüdischen Akademiker
- Date
- 1914-05-01
- Page
- 201 (sequence 5)
- Language
- German
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An die jüdischen Akademiker, 201; können sich und uns nichts nützen,-und für die ist auch unter den gegenwärtigen Verhältnissen dort kein Platz. Ich wende mich nur an diejenigen jüdischen Akademiker, die bewußt Juden sind und die ihr Judentum nicht ständig vergessen machen wollen. Gerade wir Rabbiner begrüßen es mit Freuden, wenn wir in unseren Gemeinden Akademiker haben, die sich als Juden fühlen und nicht mit Stolz und Behagen herzählen, in wieviel exklusiven Vereinen und Gesellschaften sie „ausgenommen" wurden. Wir können uns keine besseren Bundesgenossen denken als jene Akademiker, die den jüdischen Interessen dienen und mit uns das jüdische Lieben zu fördern sich bemühen Glücklicherweise gibt es solche Männer noch in beträchtlicher Zahl, und kein Rabbiner möchte sie in seiner Gemeinde missen. An die jungen jüdischen Akademiker, die sich mit den jüdischen Kreisen begnügen, in denen sie mit offenen Armen ausgenommen werden, und die nicht jene Kreise suchen, die ihnen nur widerwillig Zutritt gewähren, ergeht mein Ruf: Bewahret E u ch Eure n Ideali s mus, der m.e hret nichL das geistig e Proletariat in den Großstädten, suchet die P r o v i nz st ä d t e auf, Eure Existenz ist dort gesichert und dem Judentum nützet Ihr. Ich gebe mich der Hoffnung hin, wenn erst die jüdischen Akademiker in den kleineren Städten sich ansiedeln, daß dann das Auswandern der gutsituierten Juden aus diesen Orten von selbst Nachlassen oder ganz aushören wird. Gewiß, ganz leicht wird es dem jüdischen Arzt oder Anwalt nicht werden, fest in den Sattel zu kommen. Abgesehen von der beruflichen Tüchtigkeit und Gewissenhastigkeit, die ja selbstevrständlich sind, muß er ein gewisses Maß von Taktgefühl besitzen, das ihn vor schwierigen oder gar peinlichen Situationen bewahrt. Heißsporne und Stürmer könnten allerdings oft mehr schaden als nützen. Selbstverständlich soll der jüdische Akademiker etwa nicht jeglichen christlichen Verkehr meiden und sich gegen ihn absperren — nichts wäre unangebrachter und verkehrter als das —, im Gegenteil, er soll ihn suchen und pflegen, aber er muß seinen Rückhalt an den jüdischen Kreisen haben und behalten. Er darf nur nichr jeglichen christlichen Verkehr sans fagon dem jüdischen vorziehen, christliche Veranstaltungen den jüdischen. Wer soll denn nun den jungen Akademikern die Direktiven zur Niederlassung geben? Das darf natürlich nicht plan- und ziellos geschehen! Als ausgeschlossen muß es gelten, den eingesessenen jüdischen Aerzten, Anwälten und Zahnärzten Konkurrenz zu machen, selbst wenn sie gar nicht den Anforderungen entsprechen, die wir an jüdische Akademiker stellen. Nun gibt es in Berlin ein Arbeitsamt für jüdische Akademiker, das „kostenlos akademische Stellungen und Niederlassungsmöglichkeiten vermittelt". Von diesem Verein,