Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- An die jüdischen Akademiker
- Date
- 1914-05-01
- Page
- 202 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Im deutschen Reich, der wohl nur über geringe Mittel und Kruste verfügt, kann eine endgültige Lösung der Frage, wie ich sie mir denke, wohl nicht erwartet werden. Hier kann nur eine große Organisation helfen, die, weit verzweigt, an allen Orten ihre Vertrauensmänner hat, die in ständiger Verbindung mit der Zentrale stehen. Die gegebene Organisation hierfür ist der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der, an fast allen Orten Deutschlands vertreten, die beste Gewähr für eine planmäßige und zielsichere Bearbeitung dieser Angelegenheit bietet. Empfehlen würde es sich vielleicht, wenn sich der Centralverein mit den Logen verbände, um gemeinsam die Fäden der Leitung in Händen zu haben. Zn einer der letzten Nummern dieser Zeitschrift lese ich zu meiner Freude, „Anfragen über Niederlassungsmöglichkeiten für jüdische Aerzte und Rechtsanwälte seitens unserer Mitglieder werden von unserem Bureau beantwortet." Vielleicht erweitert der Centralverein seine Aufgabe in dem von mir angedeuteten Sinne und belehrt die jungen Akademiker über die Aussichten in den Provinzstädten. Gar mancher, der nicht geblendet ist vom Flimmer der Großstadt, wird gern zugreifen, wenn man ihm klar macht, daß er in der Großstadt wenig oder nichts, in der Kleinstadt aber viel bedeutet, daß er in der Großstadt zum geistigen Proletariat gehört, in der Kleinstadt aber kraft seines Bildungsgrades von vornherein eine soziale Position besitzt, die er sich in der Großstadt mit zweifelhaftem. Erfolge erst mühsam erringen muß. Wenn Centralverein und Loge Mitarbeiten, dann muß es gelingen. Der Erfolg wird die Mühe lohnen. Das Iudenturn gefördert und die Existenz jüdischer Akademiker gesichert zu haben, ist wohl der Mühe wert. Das antisemitische tzauptdogmabeleuchtet von Professor Dr. phil. et theol. Eduard König in Bonn'ch< Besprochen von Rabbiner I)r. Holzer, Worms. Die vorliegende Schrift reiht sich den besten an, die in btn letzten Jahren gegen den immer dreister und herausfordernder sich gebärdenden sogenannten wissenschaftlichen Antisemitismus in den Kampf getreten sind. Wendet sie sich auch in erster Reihe gegen die Ausführungen des bekannten Dh. Fritsch in seinem Buche „Mein Beweis-Material gegen Iahweh", so trifft sie damit zugleich vernichtend auch die Gewährsmänner, auf die sich jener stützen zu können /vermeint. In der Einleitung handelt der Verfasser, der bekanntlich zu den hervorragendsten Vertretern alttesta- *) Verlag von A. Marcus und E. Weber in Bonru Preis 1,50 Mark,