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Im deutschen Reich · 1914-05-01 · Heft 5 (Mai 1914) · p. 196

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 5 (Mai 1914)
Article
Die Juden im Wandervogel
Date
1914-05-01
Page
196 (sequence 4)
Language
German
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196 Im heut)ä)en Reich. Wahrheit aussprechen und wollen helfen, den Herren die Augen zu öffnen. Die Dinge liegen nämlich so, daß man aus Furcht, liberale Ideen, nicht im p a r t e i m ä ß i g e n, f o n b e r n im w e i - t e st e n Sinne desWortes gefaßt, könnten in der Jugend Anklang finden, den unklarsten Chauvinismus predigt, um der schlimmsten Richtung politischer Reaktion Vorspanndienste zu leisten. Es handelt sich um nichts anderes als um den gleichen Prozeß, der seinerzeit bei der Gründung des Vereins „Deutscher Studenten" vor sich ging, nämlich, um durch Linpflanzen antisemitischer Tendenzen in die jugendliche Seele von vornherein dem werdenden Staatsbürger eine bestimmte politische Richtung aufzudrängen, statt ihm einen freien Blick für die Notwendigkeiten in der Beurteilung des Staatslebens zu schaffen. Im übrigen kann man ja jetzt im Wandervogel ganz unpolitisch sein, denn diese „völkische" Erziehung, die natürlich mit der Liebe zum Volke und zum Vaterlande an sich gar nichts zu tun hat, bewirkt schon, daß kleinlicher Chauvinismus und völkisches Hurraschreien von der Jugend höher geachtet werden als wahre innere Werte und gerechtes Urteil. Ob sich die einzelnen Wandervogelvereinigungen nach der wahren Meinung dieser Erklärung richten, ihre vorhandenen.' jüdischen Mitglieder geringer achten und neue ablehnen werden, steht dahin. Es wird abzuwarten sein, ob nicht doch ein großer Teil der Wandervogelvereine gerade auf Grund der Erfahrung, die sie mit Juden gemacht haben, auch in Zukunft gern brauchbare jüdische Mitglieder ausnehmen wird. Die Stellung der Juden zu den einzelnen Vereinen ist naturgemäß gegeben. Wo man die Iudengegnerschaft bekämpfen kann, muß es und wird es selbstverständlich geschehen. Insbesondere kann nicht genug durch Aufklärung über die unwissenschaftlichen und unwahren Rassentheorien geleistet werden. Dieser chauvinistischen Volksvergiftung, welche allmählich zu einer Volkskrankheit geführt hat, muß weit wirksamer, als es bisher geschehen, entgegengetreten werden. An der sachlichen Arbeit, nämlich der Aufklärung weitester Kreise über Inhalt und Zweck der neuerdings hervortreLenden Teutomanie, ändert natürlich die Stellungnahme des Wandervogels zu den Juden nicht das geringste. Daß Juden aus solchen Wandervogelvereinigungen, die mit der Grundtendenz des letzten Absatzes der Erklärung einverstanden sind, sofort austreten werden, bedarf keiner weiteren Erörterung. Soviel Selbstbewußtfein haben heute wohl schon alle in unserer Gemeinschaft. Daß man diejenigen Wandervogelvereinignngen verläßt, welche jüdische Mitglieder wünschen und sie gleichberechtigt kameradschaftlich behandeln, ist nach wie vor durch nichts veranlaßt. Es haben zwar alle Gauführer bis

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