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Im deutschen Reich · 1914-05-01 · Heft 5 (Mai 1914) · p. 195

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 5 (Mai 1914)
Article
Die Juden im Wandervogel
Date
1914-05-01
Page
195 (sequence 3)
Language
German
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Juden im Wandervogel. 195 er selbstverständlich wie jeder andere Bewerber abgelehnt werden. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden, und die von. der „Deutschen Tageszeitung" aufgestellte Behauptung, von jüdischer Seite würde gegen die Möglichkeit der Ablehnung irgendeines Juden in- „Wandervogel" aus allgemeinen Gründen Einspruch erhoben, ist eine plumpe Anwahrheit. Die AnLreue des Beschlusses liegt vielmehr darin, daß er in versteckter Form den jungen Leuten ein Rezept gibt, womit sie jeden einzelnen Juden zu Falle bringen können und s ch ließ hi ch auch sollen. Nicht der Amstand ist so schlimm, daß der zweite Teil der Erklärung den ersten Teil wieder aufhebt, sondern weit gefährlicher ist die versteckte, auf Anwahrheit sich gründende Methode, in der der Beschluß durch den letzten Teil seines letzten Satzes geradezu zur Ablehnung von Juden herausfordert. Warum hat man nicht auch noch andere Gründe hervorgehoben, welche gegebenenfalls in Frage kommen können? Weil man diesen „völkischen" Grund in die Seelen der einzelnen einpslanzen wollte. So ist die Antreue dieses Beschlusses in seiner rein formalen Seite ebenso zu bedauern wie seine sachliche Phrasenhastigkeit. Den jungen Leuten wird anheimgestellt, den Juden abzulehnen, „weil besonders ausgeprägte Rasseneigentümlichkeiten ihr mit der Art des „Wandervogels", die aus dem Tiefsten des deutschen Wesens hervorgegangen ist und in deutscher Vergangenheit wurzelt, unverträglich erscheint." Was verstehen die Herren unter „dem Tiefsten des deutschen Wesens" — vielleicht die deutsche Wahrhaftigkeit, für deren Vorhandensein sie iU der obigen Entschließung nicht allzuviel Beweise gegeben haben, oder was verstehen sie sonst darunter? Bisher hat man es nicht gewußt; die Kreuzzeitung deutet es aber an. Sie sagt, man müsse an die Frühreife des Juden denken. Sie wird aber nicht behaupten wollen, daß alle jüdischen jungen Leute frühreif sind. Warum also überläßt man es dem Wandervogel nicht, diejenigen abzulehnen, die er für frühreif und-für die Gruppe nicht passend hält, gleichviel! ob sie Juden sind oder nicht? Dann soll die Art des „Wandervogels" in der deutschen Vergangenheit wurzeln — was gemeint ist, ist zwar verständlich, aber gänzlich falsch. Der Wandertrieb ist im Mittelalter auch bei anderen Völkern stark entwickelt gewesen, und die Art und Weise, wie ihm jetzt Rechnung getragen wird, trägt absolut nichts Historisches in sich. And wenn der Bund wirklich in der deutschen Vergangenheit wurzeln würde, können die von Litauern, Kassuben und Wenden abstammenden Wandervögel sich nicht auch in die durch die Geschichte begründete jetzige deutsche Art hineinfinden? Aber es müssen unverständliche und unverstandene Phrasen gefunden werden, um die Jugend zu betören. Wir wollen die

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