Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- Der Reichstagsabgeordnete Stadtrat Dr. Haas
- Date
- 1914-04-01
- Page
- 171 (sequence 5)
- Language
- German
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K. E.-Feier in Frankfurt a. M. am 1. März 1914. 171 überwunden werden konnte an Vorurteilen, alten Stimmungen und alten Anrechten, was Jahrhunderte vorher erzogen und ausgetürmt hatten zu riesigen Massen? Wir würden die Weltgeschichte nicht verstehen, wenn wir verzweifeln würden. Im Gegenteil, ihr Jungen, wir dürfen sagen, wir sind ein gutes Stück weiter gekommen in diesen hundert Jahren. Das wird immer unsere Pflicht sein, gegen antisemitische Anschauungen anzukämpfen, wo wir sie immer finden. Aber opfern brauchen wir in diesem Kampfe nichts und wir dürfen uns dem Glauben hingeben, daß die kommende Zeit eine bessere sein wird. Nach etwas anderes sprechen wir aus, weil wir uns das immer in unseren K. C.-Verbindungen gegenseitig offen gesagt haben, und wir scheuen uns nicht, es auch hier zu sagen: Waren wir denn selber von allen Fehlern frei? Der Druck, der in den langen Jahrhunderten auf uns gelastet, hat bei uns gute und große Werte geschaffen. Aber er hat auch Werte zerstört und es muß Erziehungsarbeit unter uns geleistet werden. Das war zugleich eine der Aufgaben, die wir uns gestellt haben. Es muß noch da und dort ein Stück von jenem alten Ghettogeist überwunden werden, der im Ghetto nicht vorhanden war und erst entstanden ist, als die Freiheit kam. Das wollen wir uns gegenseitig lehren, und das wollen wir der Jugend sagen: Aufrecht muß der Mann durchs Leben gehen und bekennen soll ein jeder, was er ist. Der Feigling allein versteckt sich und der Schuft allein verleugnet seine Eltern (Beifall). And in dem Sinne wollen wir in unseren Verbindungen weiter arbeiten, dann, meine ich, erweisen wir einen Dienst nicht nur dem deutschen Judentum, auch dem deutschen Vaterland (Bravo). Ihm aber verbleibt unsere Arbeit. And den Jungen sagen wir, den Glauben sollt ihr haben und bewahren: Die deutsche Zukunft wird groß und frei sein. In dem Sinne und mit diesem Gedanken wollen wir den Wunsch aussprechen, daß mit dem alten Geiste im K. C. weitergearbeitet wird. And den ganz jungen, die hier sind, denen wollen wir die Frage zur Prüfung vorlegen, ob es nicht eines rechten Studenten würdig Ware, in diesem guten Geiste aufrecht und offen zu arbeiten, zu arbeiten für das deutsche Judentum, zu arbeiten für das deutsche Vaterland." Auf diese tief bedeutsame Rede, die durch einen urkräftigen Salamander auf den K. C. gekrönt wurde, folgte, mit studentischen Ehrenbezeugungen untermischt, ein lebhafter, lang anhaltender Beifall von allen Seiten des weiten Saales. Der dritte offizielle Hauptredner des Abends, Dr. Alfred G o l d s ch m i d t, Berlin, der Großsekretär der Großloge für Deutschland, A. O. B. B., führte seine Zuhörer in die Zeit zurück, da der K. E. einst gegründet worden ist. Dr. G. gelang es ganz wundervoll, von diesem Ausgangspunkt her in feinsinnigen