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Im deutschen Reich · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. 170

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Article
Der Reichstagsabgeordnete Stadtrat Dr. Haas
Date
1914-04-01
Page
170 (sequence 4)
Language
German
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170 Im deutschen Reich. und ein drittes wollen wir der Jugend weiter geben: der deutsch eIudehatnur ein Vaterland, und Deuts ch l a n d ist sein Vaterland (Bravo). In Deutschland sind wir geboren und in Deutschland sind unsere Eltern geboren und in Deutschland sind unsere Ahnen geboren. Vor Jahrhunderten saßen.sie oben am schwedischen Meere und im Vorarlberg und am Rhein und in Frankfurt und drunten an der Nordsee und überall in den deutschen Gauen. Ich möchte das nochmals aussprechen, was ich bei anderer Gelegenheit gesagt habe. Viele, viele von uns sind eingeborener in diesem Lande als manche von denen, die ihr Deutschtum im Antisemitismus gegen uns ausspielen (Bravo). Aber, meine Freunde, ob das Vaterland uns gut behandelt oder schlecht, das kann an der naturgemäßen Tatsache, daß wir zu diesem Lande gehören, nichts ändern. Diesem Lande bleibt unsere Arbeit, bleibt unsere Liebe. Sehen Sie, meine Damen und Herren, darin liegt der große Unterschied zwischen unseren Verbänden und anderen Verbänden jüdischer studentischer Jugend. Wir glauben an unser Vaterland und wir bekennen uns zu ihm, und wir kennen eine glückliche Zukunft nur in diesem Lande. Wir sagen, wie soll nun der Kampf um die Gleichberechtigung der deutschen Juden zu einem guten Ende geführt werden, wenn wir selbst den Glauben an unser Vaterland nicht mehr in unserer Brust haben? Nicht das Blut macht die Nation. Wenn das Blut die Nation machen würde, dann müßte Deutschland in 20 Teile auseinandergespaltet werden. Nicht das Blut macht die Nation, die Kultur macht die Nation, das Land, die Sprache, die Erziehung, die Kunst, die Dichtung, gemeinsame wirtschaftliche Arbeit und gemeinsame Zukunftshofsnungen, das macht die Nation. Damit meine ich, wir sollen immer und immer wieder bekennen — nicht im Tone chauvinistischer Art —, daß wir ein gutes, angeborenes Recht auf unser Vaterland haben, und uns wehren gegen jeden, der uns das Recht auf unser Vaterland bestreitet (Bravo). Wir wollen nicht leidenschaftlich werden. Ich meine, es ist immer gut, wenn man sich bemüht, auch die Gedankengänge der Gegner zu verstehen. Mögen sie noch so leidenschaftlich und noch so feindlich auf der anderen Seite werden, wir wollen gerecht bleiben um der Gerechtigkeit willen. Wir wollen sagen, daß das, was die anderen lehren, sich nur durch die Verzweiflung erklärt, in die sie hineingeraten sind, infolge des Antisemitismus. Aber unsere Freunde bitten wir und unsere Jugend, doch einigermaßen auch Dinge, die historisch betrachtet werden wollen, historisch zu betrachten, und sich einmal die Frage vorzulegen: Darf es uns denn wundern, daß in 100 Jahren oder in 80 oder gar nur in 60 der Emanzipation das noch nicht

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