Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- Der Reichstagsabgeordnete Stadtrat Dr. Haas
- Date
- 1914-04-01
- Page
- 169 (sequence 3)
- Language
- German
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K. C.-Feier m Frankfurt a. M. am 1. März 1914. 169 gekämpft worden. Aber wir wollten uns ja noch viel mehr geben, als diese äußeren Formen studentischen Lebens. Obwohl wir sagen dürfen, daß der jüdische Student auch ein Recht darauf hat, sich in den alten guten Formen deutscher Studentenart zu bewegen. Wir wollten uns gegenseitig erziehen und diese Erziehungsarbeit und der Kampf gegen den Antisemitismus, es war ja ein und dasselbe. Wir haben uns gesagt, ehrlos ist der, der in den Zeiten der Gefahr seiner Gemeinschaft fahnenflüchtig wird. Pflicht des anständigen und aufrichtigen Mannes ist es, einzutreten für die Gemeinschaft, in der er geboren wurde. Aber das war noch nicht alles von den Lehren, die wir uns gegeben haben. Mehr als das haben wir uns gegenseitig gesagt. Einmal haben wir die Auffassung ausgesprochen, der deutsche Jude hat einen Anspruch auf volle Gleichberechtigung im deutschen Vaterland, und den Anspruch hat er nicht nur etwa auf Grund von irgendwelchen primitiven Verfassungsbestimmungen, sondern den hat er als ein menschliches Recht, den hat er auf Grund der historischen und nationalen Entwicklung des deutschen Vaterlandes. (Beifall.) Aber wir haben weiter gesagt, eine Gemeinschaft, die für ihr Recht nicht kämpft, die sich nicht wehrt, wenn sie angegriffen wird, die ist ja dieser Rechte überhaupt nicht würdig. Der Kampf, den wir führten, und der Kampf, den wir später im bürgerlichen Leben führen wollten, war eine notwendige Voraussetzung der völligen Durchführung der Gleichberechtigung selbst. And ein zweites haben wir uns gelehrt: achtet und ehret jede religiöse Meinung und jede religiöse Anschauung und seid keine Spötter in religiösen Dingen von der alten gewissen Sorte. Aber wenn eure Ueberzeugung euch nicht zwingt, dann bleibt dem Glauben eurer Väter treu, bleibt treu der Gemeinschaft, zu der eure Väter gehört haben. „Ehre Vater und Mutter", das Wort hat in dem Zusammenhang eine noch viel größere und eine viel gewaltigere Bedeutung als in dem allgemeinen Sinne. Das war der Gedanke, von dem wir K. C.-Studenten bei unseren Kämpfen ausgegangen sind. Eure Geschichte sollt - ihr kennen, eure Geschichte sollt ihr lieben, Traditionen sollt ihr haben, weil ihr ohne Traditionen wehrlose und haltlose Menschen seid. Aber unsere Geschichte war auch eine gute Geschichte, und wir dürfen stolz aus diese Geschichte sein, denn was hat sie uns gelehrt in den langen Jahrhunderten schweren Drucks und schwerer Verfolgungen? Daß die, die vor uns waren, in allen Röten und allen Gefahren treu geblieben sind für alle Zeiten. Mögen andere von kriegerischen Helden- und Ruhmestaten sprechen. Es ist auch eine Ruhmestat, es ist viel Mut und liegt viel Ehre darin, wenn man dem Tode ins Auge sieht, aber treu bleibt seiner Ueberzeugung (Bravo). Und ein drittes haben wir uns gelehrt,