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Im deutschen Reich · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. 166

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Article
Ansprache des Herrn Rechtsanwalt Dr. Ludwig Holländer, Berlin
Date
1914-04-01
Page
166 (sequence 6)
Language
German
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166 Im deutschen Reich. unserm fragenden Gemüt Antwort gaben, und ihre Kräfte in unser Fühlen und Wollen einströmen ließen, daß wir gerade diese menschlichen Lugenden und Schwächen mitübernehmen mußten in unser Anwillkürliches hinein, daß gerade diese geschichtliche Vergangenheit^ an deren Entwicklung wir heute Mitarbeiten, der Zukunst ihre Aufgaben stellt, daß alles schuf mit an unserer Individualität, und aus diesen Gründen müssen wir das Vaterland lieben. (Ls ist für uns ein Gesetz der Selbstliebe. (Ls ist für uns ein Gesetz der Natürlichkeit, denn, wenn wir nicht künstlich denken, sondern natürlich denken, so ist Deutschland unser Vaterland. Wir sind national. Nicht in dem Sinne derer, die das Wort sich angehängt haben, um ihre politische Parteistellung dadur-ch mit einem schönen Worte zu krönen, die sich national nennen, weil sie für möglichst wenig Rechte des Volkes eintreten, sondern wir sind national, weil wir in Deutschland wohnen und wurzeln, und weil seine Entwicklung unsere Entwicklung, und weil sein Wohl unser Wohl ist, und weil wir gesehen haben in einer lang andauernden, teilweise schmerzlichen Geschichte, daß das Vaterland, wenn es unfrei und wenn es bedrückt ist, auch uns schlecht behandelt. So sagen auch wir, ohne uns irgendwie parteipolitisch zu binden: „Einigkeit und Recht und Freiheit, sind des Glückes Anterpsand. Blüh' im Glanze dieses Glückes, blühe, deutsches Vaterland." Wir Juden Haben dieses Wort des Dichters erlebt. Wenn wir unserm Vaterlande wünschen, daß alles Gute in ihm blühen soll, so tun wir es aus treuem deutschen und treuem jüdischen Herzen heraus, und zu beiden haben wir als Männer, als Juden und als Deutsche einen Beruf. And so erziehen wir unsere Jünglinge. An dieser Grundlage lassen wir nicht rütteln. Wir werden weder deutsche, noch jüdische Chauvinisten, wir werden uns unfern Blick durch den Pessimismus nicht trüben lassen. Wir werden nicht wegen einiger Schreier unser Vaterland aufgeben. Wir werden nicht feige sein und uns von allem zurückziehen, nur aus dem Grunde, weil unsere Gegner rufen, sondern wir werden die Einheit des Judentums, die Treue der Generationen aufrecht erhalten, den Gedanken der Lat, den das Judentum gepredigt hat, in uns aufnehmen; arbeiten an uns, arbeiten Mr die Allgemeinheit, arbeiten für das Vaterland, und sehen so einer gemeinsamen glücklichen Zukunft des Vaterlandes entgegen. 'Auch der Gedanke des Optimismus ist ein echt jüdischer Gedanke. So bleiben wir treu und frei und wir tun, wenn wir in der eigenen Sache die Allgemeinheit verteidigen, das Größte, was dem Menschen begegnen kann, wie Leopold Ranke es ausgesprochen hat. Alle Bedrückungen haben uns nichts an und kön-

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