Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- Ansprache des Herrn Rechtsanwalt Dr. Ludwig Holländer, Berlin
- Date
- 1914-04-01
- Page
- 165 (sequence 5)
- Language
- German
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K. L.-Feier in Frankfurt a. M. am 1. Marz 1914. 165 ZU dem ihm Angeborenen, der soll nicht an ein bestimmtes Schema gebunden werden, dem soll nicht eingebläut und eingedrillt werden von seinen Lehrern oder seinen Altersgenossen „nur so kann man selig werden", sondern er soll sich selbst zurecht finden in einer eigenen Weltanschauung. Sittlich notwendig ist das Judentum für uns, und! das ist bewiesen. Wie es ausgeübt wird, ist Sache des einzelnen. Daß es in irgendeiner Kulturform geschieht, ist eine Selbstverständlichkeit. Es ist der älteste und der höchste Gedanke in der Entwicklung des Judentums nach der Zeit des Tempels, daß jeder einzelne Jude zu sorgen hat für die Heiligung des göttlichen Namens. Er hat sich auf das schwerste zu hüten vor der Entweihung des göttlichen Namens. Diese Heiligung des göttlichen Namens wurde vorzugsweise darin gefunden, daß jeder sich verpflichtet fühle, nicht nur seinem eigenen Gewissen zu genügen-, sondern dem Gesamtgewiffeu; nicht nur seine eigene Ehre zu wahren, sondern die Ehre der Gesamtheit, das Gute, wo er kann, zu stiften, das Arge, wie er kann, zu meiden, damit zugleich der sittliche Bestand der Gesamtheit wachse und gedeihe. Die Gegenseitigkeit in der ethischen Haltung und Hebung wird dann Grund und Folge des höheren sittlichen Bestandes in allen. So haben Sie in dem Gedanken der Treue zum Judentum die Entwicklungsgeschichte, in dem Programm der Einheit der Generationen die Grundsätze der Erziehung des K. C. durchgeführt. Dieser Gedanke der Treue zum Judentum ist nicht nur nicht gegen, sondern direkt für das Vaterland, in seinemj Dienst und in seinem Interesse arbeiten wir, wenn wir die Stärkung des Gemeinsinnes anstreben, um die sittlichen Mächte unter uns 3ii heben. Die großen Mächte, die im Judentum obgewaltet haben, das sind: der Gedanke der Einheit, der Zusammenhang der Generationen, der Gedanke der sinnvollen Traditionen, der Gedanke der Tat — denn immer war im Judentum wichtiger als der Glaube die Tat —, endlich der Optimismus, der Glaube an die Zukunft. Weil wir treu sind, sind wir auch dem Vaterlande treu. Gertrud Prellwih hat es einmal schön ausgesprochen, diese Treue zum Vaterlande, sie entspringt ja bei uns, wie bei allen Menschen, zunächst der Selbstliebe. In dem Lande, in dem wir geboren wurden, darin wir auswuchsen, finden sich unsere Kräfte zu einer unwiederholten, individualistischen Art, und daß wir gerade diese Lüfte und Düfte atmeten, daß gerade dieser Stern den Himmel über unserm Haupt erleuchtete, daß gerade .diese Landschaft uns mit trautem Heimatblick Tag für Tag ins Auge sah und ihr Bild in unser Gemüt senkte, daß gerade diese menschliche Umgebung und ihre praktischen Verhältnisse und Lebensgewohnheiten uns unsere Wirklichkeit woben, das schuf mit a n u n s e r m S e l b st. Daß gerade dieses Volkes geistige Schätze