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Im deutschen Reich · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. 164

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Article
Ansprache des Herrn Rechtsanwalt Dr. Ludwig Holländer, Berlin
Date
1914-04-01
Page
164 (sequence 4)
Language
German
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164 Im deutschen Reich. dankerl der Selbstwehr hoch getragen zu einer Zeit, als es noch keinen Abwehr- und keinen Lentralverein gab, als die Logen kaum zu wirken angefangen hatten, als man von Petitionen und dem bloßen Rufen nach Gerechtigkeit alles erwartete. Wir waren die Ersten auf dem Plane, die in der neueren Zeit das gesagt haben, was die Generationen vorher, als die Iudenemanzipation erkämpft werden sollte, ausgesprochen haben: „Richt betteln um sie, kämpfen muß man um die Gleichberechtigung" . . ., wenn die Gesinnung, die Zivilisation, die Kultur der gesamten limgebung auch dieser Bewegung sympatisch ist, gekämpft muß werden um die große Sache. Wir haben und hatten keine Veranlassung, uns lediglich dessen zu freuen, was von den Gründern unserer Vereinigung erwirkt worden ist, arbeiten und immer wieder arbeiten war die Hauptsache. Wie stellten wir uns nun zum Judentum, dem wir in dem oben erwähnten Geiste von Lazarus die Treue halten mußten? Gewiß, wir waren liberal, aber nicht im parteimäßigen Sinne, sondern in dem Sinne, daß wir sagten: „Jeder kann bei uns nach seiner jüdischen Fasson selig werden." Wir schreiben niemand etwa irgendeine religiöse Weltanschauung vor. Ich will hier einen zweiten großen Mann aus dem vorigen Jahrhundert nennen, dessen nächste Verwandte auch hier in Frankfurt wirken, Abraham Geiger. Er hat in seinem berühmten Briefwechsel über den Austritt aus dem Judentum, dengerade jetzt die Juden aller Richtungen ihren Kindern zur Lektüre geben sollten, folgendes gesagt: „DasIudentum mit seiner festlichen Weihe, das Judentum mit seiner reichen großartigen Geschichte, das Judentum mit seiner Innigkeit des Familienlebens, das Judentum mit seinem mitleidigen Herzen, das Judentum mit seinem reinen Gottesglauben, das Judentum mit seiner mächtigen D u l deren e r g i e, mit seiner L e b e n s f r i s ch e, mit seinem jugendlichen Drange, der sich/mit dem ehrwürdigen hohen Alter paart, bietet einem jeden etwas, der sich nur im entferntesten darum kümmert." lind fragt man nach dem jüdischen Pro g r a m m des K. C.? Es ist in diesen Worten fundiert. Aussprechen müssen wir es: Wir sind keine Juden auf Kündigung. Wir werden auch Juden sein, in dem Momente, wo es keinen Antisemitismus mehr geben wird, lind warum? Weil die gewaltigen Kulturerscheinungen des Judentums in der einen oder in der anderen Form auf unsere Mitglieder und auf unsere Jugend immer nachhaltig, immer erneut und immer frisch wirken werden. Aber die Jugend soll frei sein, lind es gibt keine Hebung des Judentums in uns, wenn nicht auch eine Hebung des freien Menschen in uns erfolgt. Was heißt es, der freie Mensch soll gehoben werden? Der sittlich hochstehende Mensch, derjenige, der die Treue hält

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