Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- Ansprache des Herrn Rechtsanwalt Dr. Ludwig Holländer, Berlin
- Date
- 1914-04-01
- Page
- 163 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316841-2316845-2348382--24464-2348476- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
K. C.-Feier in Frankfurt a. M. am 1. März 1914. 163 denheit nicht unabhängig sein kann von dem, was da kam, von dem, was da sein wird. Lin großer Gedanke, den die großen Geister aller Völker empfunden haben, und den Goethe in die Worte kleidete: „Und solang du das nicht hast, dieses Stirb und Werde! Bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde!" Trübe Gäste wollten wir nicht sein. Und darum das Gefühl der Treue zum Judentum als einer uns angestammten Notwendigkeit. Lazarus wies die Juden seiner Zeit darauf hin, daß schon nach den Ausführungen von Mendelssohn das Wort, welches in der Bibel vorkommt) und das immer als Glaube übersetzt werde, besser als „Treue" übersetzt werden müsse. Darum ist die Treue, dir der Deutsche seinem Volke nachrühmt, uns nicht nur als deutsche, sondern insbesondere auch als eine jüdische Ligenschaft eigen. Treue ist die Wurzel unserer Religion, wie nur unsere Religion die Wurzel unserer Treue ist. Die Vorsehung hat uns als Juden geboren werden lassen. Die erste Forderung an jeden Ehrenmann ist: „bei der Fahne zu bleiben!" Bei einer Fahne, welche 3000 Jahre getragen worden ist, und es haftet kein Makel an dieser Fahne; Blut genug, aber unser eigenes! Das ist die Fahne, auf welcher geschrieben steht: „Der Ewige ist mein Panier!" Bei dieser Fahne wollen wir um Ehren willen bleiben. Ls ist nicht die Ehre allein: es wächst durch diese Gemeinschaft und durch diese Treue des Festhaltens etwas zu für den sittlichen Menschen, was sonst nicht ersetzlich ist: jeder Einzelne als einzelner, um des Gewissens willen handelt er so und nicht anders, Lut er vieles, und unterläßt er anderes; aber wenn er Mitglied einer Familie ist, dann hat er auch die Rücksicht auf diese Familie, und ist er Mitglied eines Standes, die Rücksicht auf diesen Stand, auch auf die Stadt, den Staat, die Nation, schließlich Religion. Die Zugehörigkeit zu einer groß^ enGemeinschafti st eine Lrweite rungdesmen schlich en Gewiss ens,un djedauernderdie seGemeinschaft ist, je fester sie in allen Gliedern wurzelt, desto fester ist die Kraft des Gewissens, die davon ausgeht. Aber es handelt sich hier nicht nur um eine Form. Die Zeit, die uns damals zusammenführte, führte uns allerdings zusammen in erster Reihe zum Kampf um unser Recht, und somit ist in der Entstehungsgeschichte unserer Vereinigung dieser Kampf ums Recht ganz besonders fundiert. Wir haben ihn betont und durchgefochten in allen Stadien, betont, als man sich feige zurückzog, als die Leisetreterei blühte, als die älteren Generationen — erstaunt über das Erwachen des Judenhasses — einen solchen nicht wahr haben wollten. Wir haben den Ge-