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Im deutschen Reich · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. 162

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Article
Ansprache des Herrn Rechtsanwalt Dr. Ludwig Holländer, Berlin
Date
1914-04-01
Page
162 (sequence 2)
Language
German
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162 Im deutschen Reich. den berühmten -„zwei Reden" den Standpunkt festgelegt hat, den wir immer als den unsrigen anerkannt haben, nämlich den Standpunkt, der eigentlich so selbstverständlich war, daß man nicht glauben sollte, er könne heute umstritten sein, der aber doch heute so umstritten ist, daß wir ihn zu betonen nicht müde sein können und werden: „Erziehen wir uns und insbesondere unsere Jugend zum Judentum und zum Deutschtum." Indem wir das tun, folgen wir dem Charakter, folgen wir der Stimme des Schicksals, folgen wir dem Gebot der Treue, folgen wir einer in uns liegenden inneren Notwendigkeit dem Judentum gegenüber. Man sagte uns, den freien akademischen Bürgern: „Was wollt ihr mit dem Judentum? Es ist doch ein reiner Zufall, daß der einzelne als Jude geboren ist. Was heißt überhaupt in einer „Verbindung" das Judentum pflegen? Wollt ihr eine konfessionelle Verbindung sein, d. h. wollt ihr lediglich aus dem Gesichtspunkte der Pflege religiöser Aebungen euch zusammentun? Soll dasjenige, was dem einzelnen in seinem Herzen heilig ist, auf den Markt der Konvente getragen und in Zwangsübungen umgewandelt werden?" . Davon war niemals die Rede. Beschäftigen wir uns zunächst damit, was wir als geborene Juden anzuerkennen und zu tun haben. Da betonen wir den Grundsatz von Lazarus: „W a s von Natur ein Zufall i st, bas ist durch bas Sittengesetz Notwendigkeit. Wo einer geboren ist, da wird ihm auch eine bestimmte Wirksamkeit angewiesen." Das Sittengesetz ist allgemein, aber es beziehen sich die sittlichen Forderungen, auf die gegebenen Verhältnisse, in denen ein Mensch geboren wird. Ganz spezifische, ganz bestimmte Forderungen kommen für jeden Menschen aus dem Orte her, wo er geboren ist, aus der Familie, dem Stamme, dem Staate; und weil er das Sittengesetz erfüllen muß, kann er die bestimmten Forderungen nicht nach seinen-. Belieben abweisen. Es war immer schwer, ein Jude zu sein. Auch in den dunkelsten und schwersten Zeiten hatten gleichwohl unsere Väter des Morgens gebetet: „Ich danke Dir, Gott, daß Du mich ein Israelit hast werden lassen." And da war es noch viel schwerer, und es war nicht bloß gefährlich, sondern die Gefahr war oft genug erfüllt. Aber warum haben sie das gebetet? Weil sie in der Fortsetzung der Treue zu ihrer Familie, der Treue zu ihrer Ahnenreihe das Hauptziel gesehen haben, und das war das Ziel der Erziehung im Judentum, welches das Judentum groß und in sich bedeutend erhalten hat: dem einzelnen mehr, als es in anderen Kreisen geschah, zum Bewußtsein zu bringen, daß er nur ein Glied der gesamten Reihe der jüdischen Erscheinungen bildet, daß er auch zu seiner inneren Zufrie-

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