Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- Der Semigotha
- Date
- 1914-04-01
- Page
- 154 (sequence 10)
- Language
- German
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154 Im deutschen Reich. fehlbar — behauptet der Semigotha mit einer zynischen Unverfrorenheit —, und da hat Pius IX. denselben wohl nicht nachstehen wollen." Zeigen die von mir bisher angeführten Beispiele, von welch krasser ,Ii n w isse n he i L und skrupelloser Leichtfertigkeit die allgemeinen Behauptungen des Semi- Lillkürlichkeit. gotha getragen werden, so zeigen andere, mit welcher Willkür lichk eit hier im einzelnen verfahren wird. Die Klangähnlichkeit des Namens Levis des französischen Aradels Levis-Mirepoix mit dem biblischen Levi genügt, um jüdische Abstammung zu behaupten, wie der Name der Hebriden und der Insel Lewis, welch letzterer übrigens von dem normannischen Ljodhus herrührt, genügt haben, um die Schotten zu Nachkommen der Makkabäer zu stempeln. Nach diesem Rezept wird einfach ohne Mühe und ohne viel Geistesaufwand allen Geschlechtern, deren Namen an Lewi, Kohn oder einen andern ausgesprochen jüdischen Namen erinnern, jüdische Abstammung angedichtet. Stammt ein Geschlecht gar aus Frankfurt a. M. oder aus Worms, war ein Vorfahre Bankier, führte er gar noch einen biblischen Vornamen, dann ist die jüdische Abstammung sicher. Ein Beweis ist es für den Semigotha auch, wenn der Gegenbeweis nicht strikt geführt werden kann, ja sogar, wenn die Akten, die den Beweis liefern sollen, dem Gewährsmann des Semigotha unzugänglich gewesen sind. So heißt es z. B. einmal (S. 213): „Peter Czerny des Stiftes St. Florian in; Oberösterreich hat seinerzeit den Beweis erbracht, daß die Grafen i^^J^^^'^Sprinzenstein von diesen Juden Rhs abkommen, worüber aktenmäßige, jeden Zweifel ausschließende, aber unzugängliche Beläge im Gräflich Sprinzensteinschen Archiv zu Schl.-Sprinzenstein in Oberösterreich und im Wiener K. K. Haus-, Hof- und Staatsarchiv liegen, die miteinander übereinstimmen." Ein anderes Geschlecht, bei dem die Unzugänglichkeit der Akten die sonst durch nichts gerechtfertigte Annahme jüdischer Herkunft für den Semigotha mitbegründet, ist rwnnersmarck &er schlesischen Fürsten und Grafen Henckel von Donners- ' marck. Der Semigotha äußert sich über diese Familie (S. 116); „In schlesischen Ädelskreisen herrscht die allgemeine Anschauung, daß die Henckel jüdischen Ursprungs sind. Ihr Aufstieg vollzog sich als geschäftemachende Hofdiener. Ihre Wiege stand in Leutschau, ung. Löcse in Oberungarn, lange Vorort der 24 deutschen Zipfer Städte, deren Stadtarchiv 1552 leider fast ganz verbrannt ist. Der Name Henckel, heißt es in einem Leutschauer Manuskript, stammt davon, daß der erste nach sogenannten Henkelohren den Namen erhalten hat — so stand es in 1552 verbrannten Akten." Wassollman nun gegenüber einer solchen Beweisführung sagen? Die Ansicht ist verbreitet, die Akten, aus denen es hatte etwa be-