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Im deutschen Reich · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. 150

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Article
Der Semigotha
Date
1914-04-01
Page
150 (sequence 6)
Language
German
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150 Im deutschen Reich. sammengebracht haben; da muß ein Kauz dahinterstecken, der bewußt und absichtlich die Leute, die nicht alle werden, hineinfallen laßt und sich ins Fäustchen dabei lacht. vmoi-wAheit. Don dem vielen Nnsinn nur einige Proben: Jedes Kind, das etwas Religionsunterricht genommen hat, weiß, daß das Reich Israel im Jahre 722 vor der üblichen Zeitrechnung von den Assyrern erobert und die in demselben wohnenden zehn Stämme weggeführt worden, und daß sie unter anderen Völkerschaften Vorderasiens, ohne eine Spur zu hinterlassen, untergegangen sind. Die heutigen Juden sind, abgesehen von späteren Beimischungen, Abkömmlinge der Einwohner des' Königreichs Juda, also der traditionellen Stämme Iehuda, Benjamin und, soweit sie Priester (Kohanim) oder Leviten sind, Levi. Rachkommen der Stämme Rüben, Simon usw. gibt es unter den heutigen Juden überhaupt nicht mehr, nur Juden (Nachkommen Iehudas), Benjaminiten und Leviten. Die Nachkommen Iehudas und Benjamins sind aber natürlich heute nicht mehr auseinanderzuhalten. Mit einer bewundernswerten Unverfrorenheit gibt jedoch der Semigotha bei einer großen Anzahl adliger Geschlechter, die er anführt, den Stamm an, dem sie entsprossen Frangipani fe*n sollen. So stammen nach ihm z. B. die Fürsten Frangipani aus dem Stamme Rubens, die Grafen Blanc aus dem Stamme Gad usw. Eine Begründung für diese sonderbare Annahme wird für gewöhnlich nicht gegeben. Wo es aber geschieht, da klingt es wie ein schlechter Witz. So heißt es z. B. bei den bekannten ischen Magnaten Henckel von Donnersmarck, die nach dem Semigotha jüdischer Herkunft sind: „Aus' dem Stamme Levi, nach dem Löwen im Wappen zu vermuten" (S. 188). Unb wenn »on Hermann. £>er Semigotha (S. 653) von. Herrn von Hellmann erzählt, daß er „wohl aus dem Stamme Naphtali" sei, hat er mit derselben Logik wohl an die Helle Leuchtkraft des Naphtha gedacht. Außer den biblischen zwölf Stämmen kennt der Semigotha noch andere. So führt er auch Adelsgeschlechter auf, die er der Abwechslung halber aus dem Stamme Kaleb sein laßt. Es kommt aber noch besser. Es ist aus der Geschichte bekannt und durch ausführliche Berichte beglaubigt, daß der an der Nordküste des Schwarzen und Kaspischen Meeres wohnhaft gewesene, eine Zeitlang mächtige tatarische Stamm der Chosaren oder Kasaren etwa im 9. Jahrhundert n. Ehr. die mosaische Religion angenommen hat, daß er dann, nachdem er im Jahre 960 von dem russischen Fürsten Swiatoslaw besiegt worden ist, an Bedeutung immer mehr zurückging. Die im 13. Jahrhundert hereinbrechenden Mongolen haben ihn dann — wie ich vermute — vollends vernichtet. Es ist nicht ausgeschlossen, allerdings aber auch durch nichts erwiesen, daß ein Teil der Chosaren in den südrussischen Juden

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