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Im deutschen Reich · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. 149

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Article
Der Semigotha
Date
1914-04-01
Page
149 (sequence 5)
Language
German
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Der Semigotha. 149 skursten Antisemitismus, zu einer Stellungnahme gegen denselben veranlaßt hat, das war die mit einer grenzenlosen Unwissenheit gepaarte Unverfrorenheit in der Aufstellung von Behauptungen, die ganze perfide Art, mit der dieses Giftpfeile aus dem Versteck versendende Buch nicht nur die Juden, sondern auch die zahlreichen Adelsgesch lechter^ die mit dem Judentum nichts zu tun haben und die es zu Anrecht in seine Spalten ausgenommen hat, die ganze katholische Welt und — man möchte es fast behaupten — die eigenen antisemitischen Kreise behandelt, die es durch seine oft ganz sinnlosen Behauptungen so bloß stellt, daß man fast glaubt, es stecke irgendein Spaßvogel dahinter, der es sich zum Vergnügen macht, den ganzen modernen Antisemitismus mit seiner schlecht verstandenen Rassenlehre durch möglichst viel Ansinn 2.6 absurdum zu führen. Was zunächst die Unwissenheit anbelangt, so gesteht sie Unwissenheit der Semigotha, soweit es sich um die Hauptsache, um die Richtig- Hauptmerkmal. feit seiner Angaben über die jüdische Abstammung der von ihm heraüsgegriffenen Familien handelt, zum Teil ja selbst ein, indem er sie an verschiedenen Stellen zu entschuldigen sucht damit, daß ihm die betreffenden Familien, anders als dem Gothaschen Taschenbuch genealogische Mitteilungen nicht zuteil werden lassen wollen, daß ihm bzw. seinen Gewährsleuten in Archiven oder Bibliotheken die Akten vorenthalten oder Auskünfte verweigert werden. Aber — dachte ich —, wenn ich nichts Zuverlässiges über etwas weiß, dürste ich nicht darüber schreiben, und wenn ich z. B. über die Lebensgewohnheiten der Bewohner des Mars keine Nachrichten erlangen kann, so kann mir niemand deswegen einen Vorwurf machen, aber ich darf auch meinen Mitmenschen keine Nachrichten über sie vorsetzen. Die Allwissenheit, die in der RedaktionsstubeCbarLkterimr^ des Semigotha herrscht, beschränkt sich nicht nur ^euswerje. , auf sein ureigenstes Gebiet, sondern sie ist ganz allgemein. Aeber jüdische Dinge, über die er auf jeder Seite spricht, und zwar auch über solche, über die er sich aus jedem Konversationslexikon orientieren könnte, weiß er noch weniger als wir alle über die Lebensgewohnherten der Marsbewohner. Seine ethnologischen Kenntnisse, seine etymologischen Auseinandersetzungen sind oft so köstlich, daß ich den Semigotha schon dieserh alb zu den lustigsten Büchern der Weltliteratur zählen möchte, und daß mir bei der Durchsicht des Buches wiederholt der Gedanke gekommen ist: So viel klassischen Ansinn auf einmal kann selbst ein ganzes Redaktionskomitee mit Hilfe eines ganzen Mitarbeiterstabes nicht ohne Absicht zu-

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