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Im deutschen Reich · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. 148

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Article
Der Semigotha
Date
1914-04-01
Page
148 (sequence 4)
Language
German
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148 Im beutfdjert Reich. schenklasse, wie es' der Adel der ganzen Welt be» ka unterm »atzen ist, auch einige wenige Juden in seinen Kreis ausgenommen hat — nach den eben gemachten Zahlen-» angaben könnte es sich ja nur um 1/b % handeln —, kann daher, wie gesagt, kaum als etwas Auffallendes angesehen werden. Ist doch der Adel außerdem eine Auszeichnung, die zwar in der Hauptsache durch Geburt, also ohne persönliches Verdienst, aber doch auch durch wirkliche oder vermeintliche Verdienste um den Staat, um die Dynastie oder den Souverän, der das Recht der Standeserhöhung besitzt, erworben werden kann. Zieht man die mosaisch gebliebenen Adligen, die mit dem christlichen Adel eine Blutmischung also noch nicht eingegangen sind, von der Summe der 1200 im Semigotha aufgesührten Familien ab, so reduziert sich der auf Vs vom Hundert berechnete Prozentsatz noch ganz bedeutend. Wer die Geschichte der Juden im Mittelalter und der Reuzeit nur einigermaßen kennt, wird ohne weiteres zugeben, daß mit Ausnahme der 'Balkanstaaten, der skandinavischen Lander und Rußlands, in welch letzterem Uebertritte von Juden zum Christentum erst seit den letzten Jahrzehnten in größerem Maßstabe stattfinden, in ganz Europa die Beimischung jüdischen Blutes bei der bürgerlichen Bevölkerung (nicht bei der ländlichen) mehr als Vs % betragen muß. Man denke nur an die zahlreichen Taufen, die, besonders seit den Kreuzzügen, jede größere Judenverfolgung oder Iudenvertreibung zu begleiten pflegten, und andererseits an die häufigen Aebertritte von Juden zum Christentum, die in judenfreundlicheren Zeitläuften zu geschehen pflegen. Bevor der moderne sogenannte Rassenantisemitismus aufgekommen ist, sind alle diese w elken Blätter am Stamme des Judentums nur zu gern von der christlichen Bevölkerung ausgenommen worden, und wir wissen es alle, daß auch noch heute A u s z eich nun gen und Stellungen, die dem Verdienste versagt bleiben, als Lohn für treulosen Abfall und heuchlerische Bekehrung verteilt werden. Richt die Zahl der von dem Semigotha angeführten adligen Familien jüdischer Herkunft, nicht einmal die Feststellung, daß es oft nicht gerade die Besten der Juden gewesen sind, die dem Christentum zugesallen und unter den Adel gekommen sind, war es, wodurch der Semigotha Aufsehen erregt und verschiedentlich eine leidenschaftliche Polemik hervorgerufen hat. Ein Werk, das vorurteilsfrei diesen Erscheinungen nachginge, sie zuverlässig festzuftellen suchte, um der Wahrheit zu dienen, könnte der Anerkennung aller ernsten Kreise sicher sein. Was den Senrigotha zu einem sensationellen Buche inr schlimmsten Sinne des Wortes gemacht und die verschiedensten Kreise, mit Ausnahme des ob-

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