Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- Der Semigotha
- Date
- 1914-04-01
- Page
- 147 (sequence 3)
- Language
- German
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Der SemigoLha. 147 Adels ist. Wenn es weiter so geht, möchte man befürchten, daß das Wort „Graf" gleichbedeutend mit „Iude^^ und im Munde eines Antisemiten ein Schimpfwort etwa wie „Itzig" wird. Barone gibt es aber natürlich noch mehr. Der SemigoLha führt etwa 360 Baronensamilien an, von denen übrigens ungefähr der vierte Teil mosaisch geblieben ist, den christlichen Adel also noch nicht infiziert hat. In der vierten Abteilung sind dann einige hundert Namen von gewöhnlichen Adelsfämilien zusammengestellt, von denen ein großer Teil mosaisch und erst in allerletzter Zeit nobilitiert worden ist. Da der Semigotha auch ausgestorbene Familien und auch Personen anführt, deren adlige oder fürstliche Stellung, wie die des bekannten Fürsten Joseph von Naxos, nur persönlich ZEenverhältms war und die ein Adelsgeschlecht daher überhaupt nicht begründet Ursprungs iS haben, ja auch solche, deren Nobilitierung nach der Annahme christlichen, des Semigotha erst bevorsteht, so kann die Feststellung dessen, daß sich unter dem gesamten europäischen Adel, dessen Zahl mit den ausgestorbenen Geschlechtern und den nur persönlich Geadelten auf mehr als eine halbe Million geschätzt werden kann, sich auch 1200 - jüdischen Ursprungs befinden, an sich kaum wundernehmen. lim so weniger, als der Adel in keinem Lande reinrassig ist. In Rußland ist eine große Anzahl tatarischer Wurzen, grusinischer Fürsten, von den vielen baltischen Deutschen zu schweigen, in den Bestand des Adels aufgenommen worden. Der polnische Adel, der stolzeste und übermütigste, den die Welt je gekannt hat, ist nach, der Annahme vieler Ethnologen überhaupt nicht einheimisch-slawischen Ursprungs, und historisch steht es fest, daß er eine große Anzahl von Deutschen, besonders Krakauer und Danziger Patrizier, wie die Abstagen (1529), Bremer (1527), Behem (1569), Ferber (1515), Fogelveder (1589), Giese (1519) Ringdemut (1582), Rotermund (1595), Seifert (1531), Zimmermann (1505), und Italiener, wie Alberdini (1529), Bartolini (1589), Cechi (1589), Guagnini (1571), Casanovi (1595), um nur einige Beispiele aus dem 16. Jahrhundert anzuführen, in sich ausgenommen hat. And daß der deutsche Adel, besonders östlich der Elbe, nicht rein ario-germanisch ist — um mit dem Semigotha zu reden —, besonders, wenn man auf germanisch die Betonung legt, weiß wohl auch jeder, der nur ein klein wenig Genealogie getrieben hat. Schon der schlesische, märkische, pommersche, preußische und mecklenburgische liradel weist eine große Anzahl slawischer, polnischer, wendischer und obotritischer Geschlechter auf. Bon den schlesischen nenne ich nur die Pogarell, Wirb na, Kittlitz, Haugwitz, Promnitz, Zettwitz, Tschammer, Drovin, Nostitz, Zedlitz. Daß eine solche, Nicht-Stairdesgenossen gegenüber zwar exklusive, im übrigen aber ganz kosmopolitische Men-