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Im deutschen Reich · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. 122

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1914-03-01
Page
122 (sequence 8)
Language
German
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122 Im deutschen Reich. der letzteren gefährdet sein würde, wenn vielleicht einige Juden auf den Gedanken kämen, in Nossen durch industrielle Anternehmungen, die in manchen kleinen Städten schwer vermißte Arbeitsgelegenheit zu vermehren. Durch den „alldeutschen Chauvinismus" und die im Mittelstände leider noch vielfache vorhandenen religiösen Vorurteile wird diese kaum gefördert werden können. Was in diesen schweren Zeiten die Juden bekümmert, sind nur Einzelerscheinungen, die als eine Folge der allgemeinen politischen Reaktion zu betrachten sind und der Gesamtheit des deutschen Volkes Grund genug geben, der Zukunft mit Besorgnis entgegenzusehen. Die Vorgänge bei den im Monat Februar stattgehabten Verhandlungen im Deutschen LandwirtschaftsraL und im Bunde der Landwirte im Zirkus Busch und Zirkus Schumann haben nicht nur den deutlichen Beweis dafür geliefert, daß die agrarischen Führer nach wie vor eingefleischte Antisemiten sind und bleiben, sondern daß sie auch in ihrer Siegeszuversicht die Zeit gekommen glauben, an den Grundlagen der allgemeinen bürgerlichen Freiheit rütteln zu können. Zu dieser Machtstellung haben ihnen viele davon mit betroffene bürgerliche Kreise verholfen, verblendet durch Rassen- und Religionshaß. Wie die Rückschrittler noch immer die antisemitische Aufstachlung als zugkräftiges Mittel betrachten, ihre Macht zu befestigen, zeigt u. a. das Treiben ihres Generalsekretärs Kunz e, der vor wenigen Tagen in einer Versammlung in Herford, wieder die unwahre Verquickung von Judentum und Sozialdenker als rotes Tuch zur Verblendung der Dummen benutzend, stürmischen Beifall durch folgende Sätze erntete: „Hundertmal schlimmer als die Sozialdemokratie ist das Judentum. Nicht der einzelne Jude ist zu bekämpfen, der kann manchmal ein anständiger Mensch sein, aber die radikalen jüdischen Hetzer und Revolutionsschürer sind die eigentliche Gefahr für unser Volk und Vaterland. Ihre ehrvergessene Gefolgschaft deutschen Muts ist allerdings noch mehr zu verabscheuen. Das Joch des alten Roms war schwer, aber das Joch des modernen Judentums drückt und liegt härter auf uns. Das schamlose jüdische Spekulanten- und Wuchertum ist der wahre Volksverderber. Nicht die Junker haben das Ohr des Herrschers, sondern neugeadelte Börsenjobber und Banklöwen täuschen ihn und beuten die ehrliche Volksarbeit aus." Das antimonarchische Verhalten dieser agrarisch-antisemitischen deutschen „Bojaren" mahnt bedenklich an den Nebermut ihrer rumänischen S ta n des ge nossen, die selbst den Großmächten Trotz bietet,, die Bestimmungen des Berliner Vertrages unausgeführt lassen und jeden Versuch der rumänischen

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