Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1914-03-01
- Page
- 121 (sequence 7)
- Language
- German
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Amschau. 121 Es finden sich aber auch, wahrscheinlich infolge der verhängnisvollen Wirksamkeit des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes antisemitische Anwandlungen in kaufmännischen Kreisen, die von der eigentlichen deutsch-völkischen Bewegung nahezu unberührt sein dürften. So brachte kürzlich die Zeitschrift „Merkuria", das Organ des Verbandes katholischer kaufmännisch ex Areise in Essen-Ruhr, einen „Die Finger auf die Wunde" überschriebenen, in völlig antisemitischer Tonart gehaltenen Artikel, in dem ohne jegliche Begründung „Juda als Hauptträger des modernen Geschäftskapitalismus", und das „jüdische Warenhaus" als Aufsauger der kleinen Existenzen dargestellt wurde. Dieser aufreizende Hinweis war um so weniger angebracht, als sich die Redaktion, wenn sie es nicht schon vorher wußte, durch die „Westdeutsche Mittelstandszeitung" belehren lassen mußte, daß die Besitzer der beiden Firmen in Essen, deren Konkurrenzkampf die dortigen Detaillisten schädigen sollte, gar keine Juden, sondern Christen sind. Daß zu den geschädigten Detaillisten manche Juden gehören, die sich nicht für den Großkapitalismus begeistern können, sondern eine Hebung des Mittelstandes wünschen müssen, geht aus der Aeußerung der „Mittelstandszeitung" hervor: „Jeder Kämpfer für unsere Interessen ist uns willkommen, er sei Christ, Jude, Mohammedaner oder sonst etwas. Jeder, der durch Unlauterkeit oder durch schädliche Geschäftsführung die Interessen des Mittelstandes schädigt, wird bekämpft, gleichgültig, ob er Katholik, Protestant oder Jude ist. Sonst lausen wir Gefahr eine große Anzahl wackerer, tüchtiger Mitstreiter zu verlieren." Auf diesem Standpunkt scheint aber auch der Verband katholischer Vereine in Leipzig nicht zu stehen, da er sich dem Reichsdeutschen Mittelftands-verband neuerdings korporativ angeschlossen hat, dessen Vorsitzender, Bürgermeister Eberle in Rossen, die Vertreter der katholischen Vereine in Leipzig mit einer Ansprache begrüßte, die mit den Worten schloß: „Es ist eine ungeheure Gefahr für unser Volk, daß das, was Sie, und ich mit Ihnen, Christentum in Handel und Wandel nennen, nicht nur in den Kreisen gefährdet wird, die dem Christentum fern stehen, sondern auch die Kreise angefressen zu werden drohen, die sich zum Christentum bekennen. Darum sage ich: Wir gehen zusammen, diejenigen, die für Treu und Glauben im Handel kämpfen, und Sie, die sagen: Christlich im Wandel!" Die Tatsache, daß in Rossen keine oder nur sehr wenige Juden ihren Wohnsitz haben, macht einigermaßen den Irrtum des dortigen Bürgermeisters erklärlich daß die Juden in bezug auf „die Moral in Handel und Wandel" irgendwie hinter den Christen zurückstehen, oder daß die Moral