Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1914-03-01
- Page
- 120 (sequence 6)
- Language
- German
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120 Im deutschen Reich. bloß dem, das als Nordlicht um Mitternacht über Schneewälle und Eismauern leuchtet. Gottes sind wir alle, auch der Kaffer, Hottentotte und der — Jude. Ist er ein schlechter Kerl, so gehen wir ihm aus dem Wege, wie ich dem gottvergessenen Arier und Germanen ausweiche." Das ist noch keine Vorurteilslosigkeit den jüdischen Mitbürgern gegenüber, unterscheidet aber doch schon wesentlich von dem Standpunkt, den die „Deutsch-nationalen Blätter", „die Staatsbürger Zeitung" und auch die „Deutsche Tageszeitung" in der Iudenfrage einnehmen. Daß selbst in sächsischen' Städten, in denen bekannte Antisemitenführer ihren Wohnsitz haben, der Massenfanatismus in der deutsch-völkischen Bewegung für bedenklich gehalten wird, hat der an der Handelshochschule in Leixstg angestellte Professor Dr. B ennewitz erfahren, der in der Stadtverordneten-Versammlung behauptet hatte, die Studenten blieben dieser Handelshochschule fern, weil zwei Dozenten, die Professoren Dr. Adler' und Dr„ Stern, jüdischer A b stamm u n g seien. Die Zurückweisung dieses rassenanLisemitischen Angriffes durch den Senat der Hochschule, der den bezüglichen Briefwechsel dem Stadtverordneten-Kollegium übermittelte, veranlaßte den Stadtverordneten Dr. Bennewitz zu der Erklärung, er habe weder der persönlichen noch der Berufs-Ehre der beiden Dozenten nahetreten wollen, stehe aber mit voller Aeberzeugung in der deutsch-völkischen Bewegung, die an den Hochschulen mächtig aufflackert. Daß dies an der Leipziger Anstalt nicht der Fall ist, wurde ihm durch folgende Protestkundgebung bewiesen: „Die unterfertigte Vertretung 'erblickt in der Konfession der beiden angegriffenen-Professoren keinen Grund, der auf die Frequenz der Hochschule schädigend einwirken könnte. Die sachlichen Gründe, die zum Weggange einer nicht bedeutenden Anzahl deutscher Studierender führten, dürsten vielmehr darin liegen: a) -daß die Prüfungsbedingungen gegenüber anderen Hochschulen erschwert sind (bei der letzten Staatsprüfung für Handelslehrer haben von 22 Kandidaten nur 9 das Ziel erreicht). d) daß durch das Fehlen der Eouleurfreiheit die volle akademische Freiheit b'sher nicht gewährt ist. wodurch der Weggang zweier geschlossener Korporationen herbeigeführt wurde, c) ba$ durch die hohe Zahl der ausländischen Studierenden ein Mißverhältnis zu den deutschen besteht. Ein Teil der Ausländer läßt sich nur deshalb in Leipzig an der Handelshochschule immatrikulieren, um auf diesem Amweg an den Aniversitätsvorlesungen teilnehmen zu können. Die Vertretung der deutschen Studentenschaft an der Handelsh o ch s ch u l e z u L e ipzi g. Mirsching. Sommerfeld. Herrmann." o™