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Im deutschen Reich · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. 119

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1914-03-01
Page
119 (sequence 5)
Language
German
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Amschau. 119 einem Bericht des „Schulblattes der Provinz Schleswig-Holstein" hatte Lehrer Zuels-Wrom auf der Kreislehrerversammlung für Nordendithmarsche n in einem Vortrag sich über den Umfang und die Wirkung der jüdischen Organisation in scharfantisemitischer Tonart geäußert und die widersinnige Behauptung aufgestellt, daß in diese Organisation auch die getauften Juden, Iudenabkömmlinge und Halbblüter, sogar auch die mit Jüdinnen verheirateten Arier eingegliedert seien. Von wohlunterrichteter Seite sind wir darauf hingewiesen worden, daß das „Deutsche Lehrerblatt", das Organ des unter der Protektion des konservativen Abgeordneten Diedrich Hahn stehenden sogenannten „Neuen preußischen Lehrervereins", nicht nur mit antisemitischen Bestrebungen hervorgetreten sei, sondern sich auch offen als Gegner des Deutschen und Preußischen Lehrervereins erwiesen habe. Aus derselben Bewegung sei auch die „deutsch-völkische Arbeitsgemeinschaft" entstanden. Der antisemitische Vortrag des Lehrers Zuels-Wrom sei zwar tatsächlich auf der Kreislehrerversammlung Nordendithmarschen, also in einer innerhalb des Preußischen Lehrervereins bestehenden Organisation gehalten worden, habe aber in dieser sehr viel Widerspruch gefunden. Wenn es auch in einem so großen Vereinsorganismus kaum möglich sein wird, einzelne Persönlichkeiten von öffentlichen Darlegungen ihrer rückschrittlichen Gesinnungen ganz fernzuhalten, ist daraus noch nicht zu schließen, daß diese von vielen Anwesenden geteilt werden. Die deutsche Lehrerschaft wird auch nicht nur von der Strömung berührt, die durch die Begründer des „Neuen Preußischen Lehrervereins" direkt ins agrarisch-anLisemitische Lager führt, in dem die „Deutsche Tageszeitung" als Nachbarin der Redaktion des konservativen „Deutschen Lehrerblattes" als Orakel gilt. Auch die alldeutsche Strömung, die der religiösen Erziehung der Jugend durch Entfremdung vom Alten und vom Neuen Testament Schwierigkeiten bereitet, stellt ihr ernste Aufgaben, deren Lösung nur möglich ist, wenn der Antisemitismus ferngehalten wird. Selbst das deutsch-völkische Blatt „Der Volkserzieher" verschließt sich der Erkenntnis nicht mehr, daß die deutsch-nationale Verherrlichung des altheidnischen Germanismus der Erziehungsarbeit Hemmnisse bereitet. Während Professor FahrenkruginBarmen, der früher mit 'dem Volkserzieherbund am Irmenstein ein nationales Feuer entfachte, am 1. Januar 1914 in der Hamburger Halbmonatsschrift „Allgemeiner Beobachter" die „Germanische Glaubensgemeinschaft" anpries, hat Wilhelm Schwaner fast gleichzeitig im „Volkserzieher"' erklärt, die Tüchtigkeit bedrückter Menschen anzuerkennen, sei wichtiger als „das ewige Getobe gegen dänische, slawische — und jüdi s ch e Anverschämtheiten." Er sagt ferner: „Wir müssen uns dem Lichte zuwenden, nicht

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