Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1914-03-01
- Page
- 118 (sequence 4)
- Language
- German
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118 Im deutschen Reich. düng vom Judentum und einen rein deutschen Wandervogel" fordern. Die Forderung, das, was bisher in einzelnen Wander- Vögel-Kreisen bereits als „ungeschriebenes Gesetz" gegolten hat, ofsen zu betreiben, ist in dem Artikel der „Akademischen Blätter" in Sätzen begründet, die zur Empfehlung besonderer jüdischer Wandervogel-Vereine in der zionistischen „Jüdischen Rundschau" stehen könnten. Daß die leitenden Kreise an der Spitze der Wandervogel-Verbände aus leicht erklärlichen Rücksichten sich nicht festlegen können, vielleicht sogar ihre judengegnerischen Gruppenführer desavouieren müssen, sieht der Wortführer des Vereins deutscher Studenten voraus. Seine Hoffnung, daß „die Jugend im Wandervogel selbständig genug denken werde, um in dieser Frage ihren eigenen Weg zu gehen", ist auch nur schwach, denn er schließt mit der dringenden Mahnung an seine „Bundesbrüder, die einst selbst im „Wandervogel" gestanden und vielleicht allmählich die Fühlung mit ihm verloren haben, jetzt ihre Mitarbeit den Vorkämpfern des deutschen Gedankens im „Wandervogel" wieder zur Verfügung zu stellen". Daß dieser in Wirklichkeit „anLisemitische", also nicht deutsche Gedanke im „Verein deutscher Studenten", ebenso wie im sogenannten „deutsch-nationalen" Handlungsgehilsen-Verband, auf fruchtbaren Boden fallen und auf einen Teil der Jugend nach den Worten eines der geistigen Protektoren der frei-deutschen Jugendbewegung „vergiftend", „unwahrhast" und „undeutsch" wirken kann, ist leider zu befürchten. Deshalb mahnen wir unsere Bundesbrüder, diesen judengegnerischen Strömungen; gegenüber standzuhalten, die jüdische Jugend im Sinne Gabriel Rießers „deutsch und jüdisch" in den zn „Freiheit und Gleichheit' führenden Pfaden weiter zu leiten und jede freiwillige Rückkehr ins Ghetto als etwas zu betrachten, was weder deutsch — noch j ü d i s ch ist. Wer die Jugend für sich hat, dem gehört die Zukunft, denn wenn auch der gereifte Mann manches als irrtümlich erkennen muß, wofür er sich vielleicht in früheren Jahren begeistert hat, haften doch viele Eindrücke aus jener Zeit unverwischlich im Gemüt und beeinflussen seine Zuneigung oder Abneigung. Deshalb sind die Iugendjahre mehr oder minder ein Feld für Volkserzieher, und es ist ernst zu nehmen, wenn sich die Anzeichen mehren, daß der rückschrittliche Geist des Antisemitismus auch in die Kreise der deutschen Lehrerschaft mehr als bisher eindringt. So wurde u. a. in dem „Deutschen LehrerblaLL" vor einigen Wochen berichtet, daß im „Lehrerverein Zöschen und Umgegend" Lehrer Ernst einen Vortrag über „Das Judentum eine nationale Gefahr" gehalten und daß sich in Magdeburg aus den Kreisen des Lehrervereins eine „deutschvölkische Arbeitsgemeinschaft" gebildet habe. Rach