Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Article
- Die spanischen Juden und die Errichtung eines Lehrstuhls für rabbinische Wissenschaft und Literatur an der Universität Madrid
- Date
- 1914-03-01
- Page
- 112 (sequence 4)
- Language
- German
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112 3nt deutschen Reich. entweihen und unser Herz abwendig machen, sondern im Namen Gottes, unseres Herrn, wandeln." Doch alle Schuld rächt sich auf Erden und die Weltgeschichte ist das Weltgericht. Das Loben der Inquisition, die Ketzergerichte und die Vertreibung der Juden aus Spanien haben wesentlich zum Niedergang des spanischen Volkes beigetragen. Die Flagge Hispaniens, die einst alle Meere beherrschte, spielt jetzt fast keine Rolle, das Land des Weins und der Gesänge ist seit Jahrhunderten verödet, Handel and Wandel haben ihre Bedeutung verloren. Jahrhunderte verflossen, bis die spanischen Könige und Regierungen endlich zu der Ileberzeugung kamen, daß, nur dann neues Leben aus den Ruinen des Staates blühen werde, wenn die entsetzlichen Schäden, die eine kurzsichtige Politik in der Vergangenheit angerichtet, durch eine gerechte, liebevolle und großzügige Gesetzgebung und Verwaltung nach Kräften wieder gutgemacht würden. Das alte Wort, das man in der Politik niemals „niemals" sagen dürfe, bewahrheitete sich auch hier. Das königliche Edikt des katholischen Ferdinands, daß die Juden „niemals" wieder nach Spanien zurückkehren dürften, hat längst seine Gültigkeit verloren. Wenn auch die Aufhebung der Ausweisung der Juden nicht feierlich und amtlich geschah, so hatten doch die Behörden seit Jahrzehnten den Befehl, der Rückkehr einzelner jüdischer Kaufleute, Gewerbetreibender, Handwerker oder sonstiger Personen nach Spanien keine Hindernisse in den Weg zu legen. Es wurde die Parole ausgegeben, den Wiedereingewanderten freundlich zu begegnen, ihrem Aufenthalt und der Ausübung ihres Berufs keine Schwierigkeit zu bereiten und auch der Pflege des religiösen Kultus nicht die geringste Einschränkung aufzuerlegen. So kam es denn, daß die Juden im streng katholischen Lande, im Staate des Scheiterhaufens par excellence, mehr Rechte und Freiheit genießen, als in manchen anderen Kulturstaaten, wo der Antisemitismus sein Medusenhaupt erhebt und alles aufgeboten wird, um die Iuden-Emanzipation durch allerlei Verwaltungsmaßregeln und gesetzliche Drangsalierungen aufzuheben oder doch wenigstens einzuschränken. Besonders human, gerecht und vornehm benimmt sich die spanische Regierung in der Gegenwart den Juden gegenüber. König Alp ha ns XIII. von Spanien ist ein großzügig denkender Monarch, der, keine konfessionellen und Rassenvorurteile kennend, mit Eifer bestrebt ist, den Aufschwung und die Blüte seines Landes herbeizuführen. Je mehr er, seine Minister und die sonstigen Rate der Krone im Verein mit den besten und aufgeklärtesten geistigen Elementen des Staates über die Wege und Mittel nachdachten, wie sie neues Leben aus den Ruinen einer verwüsteten Kultur hervorzaubern könnten, desto lebhafter regte sich in ihnen der