Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Article
Die spanischen Juden und die Errichtung eines Lehrstuhls für rabbinische Wissenschaft und Literatur an der Universität Madrid
Date
1914-03-01
Page
113 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316841-2316844-2348207--24334-2348310
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die spanischen Juden u. d. Errichtung eines Lehrstuhls in Madrid. 113 Wunsch, die Sympathie namentlich der sogenannten sepharbischen Juden für ihr altes Vaterland zu gewinnen. Sehr viel trug zu dem gewaltigen Amschwung und der Wandlung der Dinge auch der bekannte spanische Senator P o l i d o bei. Dieser unternahm vor etwa 10 Jahren eine Reise durch die Balkanstaaten und die Türkei, über die er ein interessantes Werk veröffentlichte. Wie ging ihm das Herz auf, als er in jenen fernliegenden Gegenden unter den dort lebenden Juden die Sprache seines Vaterlandes, wie sie vor 400 Jahren im Munde des Volkes lebte, hörte und die heimatlichen Klange an sein Ohr drangen! Mit tiefer Beschämung, aber auch mit berechtigtem Stolz mußte er feststellen, daß die Bachkommen jener beklagenswerten Blutzeugen ihrer religiösen Aeberzeugung, trotzdem sie das undankbare Vaterland verfolgt und verjagt hatte, an ihrer Muttersprache festhielten und an Spanien mit rührender Liebe hingen. In seinem Werke erzählte dies alles der genannte Senator und er verstand es, durch seine glühende Beredsamkeit und seine ergreifenden Schilderungen das Gewissen des spanischen Volkes aufzurütteln und in allen Kreisen jenes Landes, auch in den streng katholischen, den aufrichtigen Wunsch rege werden zu lassen, die Bachfolger jener mißhandelten Stiefkinder des Geschicks zu versöhnen und sie zu veranlassen, ihr Exil aufzugeben und in ihr altes Vaterland zurückzukehren. Aeberdies entfaltete er auch eine erstaunliche briefliche Regsamkeit. Er stand mit den bedeutendsten sephardischen Juden in den genannten Landern in Briefwechsel, ihnen es nahelegend, die Schuld der Vorzeit zu vergessen und ihrem alten Vaterlande Spanien ihr tatsächliches Interesse zuzuwenden. Seinen rastlosen Bemühungen gelang es denn auch, für die Idee der Repatriierung der Juden im ganzen Lande Begeisterung zu erwecken. Daß trotz der philosemitischen Richtung und Strömung der Regierenden, wie der Volksschichten im Allgemeinen, die Zahl der eingewanderten sephardischen Juden keine allzu beträchtliche ist und daß sich in Spanien nur einige wenige jüdische Gemeinden mit einer verhältnismäßig geringen Seelenzahl gebildet haben, ist nicht zu verwundern. Auch hier gilt das Wort: „vestigia terrent“. Die Wunden, die das völkerrechtswidrige Gebaren des spanischen Königspaares Ferdinand und Isabella einst dem Herzen des jüdischen Volkes geschlagen, sind eben noch lange nicht vernarbt, und so vollzieht sich die Einwanderung nur zögernd und schrittweise. Der Prediger an der Berliner Reformgemeinde, Dr. M. Lewin, hat in seinem 1892 erschienenen Werk „Ibrria" in reizender Weise das Fest des Versöhnungstages, das er einst in Madrid im Hause des jüdischen Bankiers Salzedo mitfeierte, geschildert. „Er versammelte", heißt es dort u. a., „Männer, Frauen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.