Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Article
- Die spanischen Juden und die Errichtung eines Lehrstuhls für rabbinische Wissenschaft und Literatur an der Universität Madrid
- Date
- 1914-03-01
- Page
- 111 (sequence 3)
- Language
- German
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Die spanischen Inden u. d. Errichtung eines Lehrstuhls in Madrid. 111 hin einem Sohn oder einer Tochter Israels Rast oder Obdach in seinem Hause oder irgendwelchen Schutz oder Schirm gewahre, der habe sein Hab und Gut verwirkt und gehe jedes Amtes und jeder Würde verlustig. Tragikomisch war die Verordnung, die den vertriebenen spanischen Juden gebot, Gold, Silber und gemünztes Geld im Lande zu belassen. Ich will den geneigten Leser nicht mit der Schilderung der alles Matz übersteigenden physischen und moralischen Qualen, denen die spanischen Juden seit dem Erlaß des Edikts bis zu ihrer Ausweisung und auch nachher ausgesetzt waren, martern. Nur als einen Beweis der gleichsam dämonischen Undankbarkeit des katholischen Königspaars gegen die Juden sei auf die Tatsache hingewiesen, datz selbst die flehentlichen Bitten und lockenden Geldangebote des früheren langjährigen spanischen Finanzministers, des greisen Rabbi Isaak ben Iehuda Abarbanel, der sich um das Land große Verdienste erworben hatte, das harte Herz des Königspaars und seiner pfäfsischen Ratgeber nicht zu erweichen vermochten. In der Selbstbiographie, die Don Isaak Abarbanel, geb. in Lissabon 1437 und gestorben in Venedig 1508, über seine Bemühungen, das Damoklesschwert von dem Haupte seiner Glaubensgenossen abzuwenden, in seiner schlichten und einfachen Weise erzählt, erkennt man die ganze Tragik des damaligen Exils: „Zu jener Zeit befand ich mich an dem Hofe des Königs und mühte mich ab mit Bitten; dreimal flehte ich vor ihm und sprach : „Hilf o König, warum willst Du so mit Deinen Knechten verfahren? Lege uns doch auf, datz wir Gaben und Geschenke bringen und was einer aus dem Hause Israels besitzt, das wird er um sein Land hingeben/' Ich wandte mich an meine Freunde, welche die Gunst des Königs besaßen, daß sie für mein Volk bäten, und die Vornehmsten redeten mit aller Macht dem Könige zu, daß, er jene Befehle des Zornes zurücknehmen und seinen Vorsatz zur Vernichtung der Juden aufgeben möge. Aber er verschloß sein Ohr wie eine taube Otter und wollte niemandem antworten. Auch stand die Königin mit mächtiger Beredsamkeit ihm zur Seite und bestärkte ihn darin, das einmal begonnene Werk auszuführen. And so bemühten wir uns ohne Erfolg, ich hatte nicht Frieden, weder Ruh noch Rast —: da kam das Unglück. And das Volk trauerte, als es die böse Nachricht erfuhr und überall, wo des Königs Befehl bekannt ward, sah man große Trauer bei den Juden; es war Schrecken und Angst, wie dergleichen nicht gewesen, seit Juda aus seinem Lande in die Fremde vertrieben ward. Einer sprach zum anderen: „Wir wollen uns einander stärken in unserem Glauben und in der Lehre unseres Gottes vor der Stimme der Lästerer, vor dem Lobenden Feinde. Lassen sie uns am Leben, so leben wir; töten sie uns, so wollen wir umkommen, aber nimmer unseren Bund