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Im deutschen Reich · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. 82

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Article
[Ohne Titel]
Date
1914-02-01
Page
82 (sequence 8)
Language
German
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92 Im deutschen Reich. unter „O s y r a 354“ eingerückte Annonce ist identisch mit vorliegender Ausschreibung. Natürlich ist, daß diejenigen Kollegen, die sich auf jene Annonce hin bewerben, wohl kaum Aussicht auf Berücksichtigung bei Besetzung der (Vchlachthausstelle haben werden. Meldungen erbeten an BeterinärraL Kleinpaul, Iohannisburg (Ostpreußen).“ Herr Levysohn, der sich wegen der verletzenden Fassung dieses Inserats an den Herrn Regierungspräsidenten wandte, erhielt nachfolgenden aus Allenstein vom 30. Dezember 1913 datierten Bescheid: „Auf Ihre Beschwerde vom 2. ds. Mts. gegen den Kreistierarzt BeterinärraL Kleinpaul in Iohannisburg teile ich Ihnen ergebenst mit, daß ich die Fassung und Form der Anzeige des Beterrnärrat Kleinpaul als ungehörig gerügt habe. gez. v. Hellmann.“ — Im Parlament, in Volksversammlungen und in der antisemitischen. Presse kehrt ständig die durch nichts bewiesene Behauptung wieder, der Jude eigne sich nicht zum militärischen Vorgesetzten. Die Tatsachen aber reden eine andere Sprache, und eine solche Tatsache, die uns von unserem Mitglied, Herrn Epstein in Straßburg, mitgeteilt wurde, wird deshalb hier berichtet: Am 16. Dezember 1913 wurde in Frankfurt a. M. der bekannte jüdische Verlagsbuchhändler Ignaz Kau ff mann zu Grabe getragen, ein Veteran des Krieges 1870/71. Die Liebe zum Soldatenstand bewog ihn, in jugendlichem Alter als Einjährig-Freiwilliger 1868 Ins Heer einzutreten; er wurde in demselben Jahre Unteroffizier. Beim Ausbruch des Krieges gegen Frankreich wurde er einberufen und machte den Feldzug beim 69. hanseatischen Infanterie- Regiment als Korporalschaftsführer mit. An mehr als zwanzig Gefechten und Schlachten nahm er teil, und mehrere Kriegsauszeichnungen schmückten ihn. Am Grabe hielt der Vorsitzende des Veteranenvereins, Herr Kruthoffer, einen warmen von Herzen kommenden Rachruf. Besonders Liefen Eindruck machten die folgenden Worte, die es verdienen, in den weitesten Kreisen bekannt zu werden: i i ' j : „M a n hat schon oft den jüdischen Soldaten den Sinn für Tapferkeit und M u L a b g e s p r ch e n, und es gereicht mir deshalb zur besonderen Genugtuung, auszusprechen, daß, wir in unfern Reihen keinen Konfessionsunterschied kennen, und daß ich gerade unserm jüdischen Kameraden das ehrende Zeugnis aus stellen kann, daß auch er als tapferer Soldat als Vorbild gelten darf.“ Kruthoffer sagte noch, es müsse die Ansicht zurückgewiesen werden, daß der Jude ein minderwertiger Vorgesetzter sei. — Das Kurhaus AmterstmaLL bei Bühl im Schwarzwald, das ein bekannter Anterkunftsplatz für Skifahrer ist, versendet Empfehlungsschreiben, in denen mit Stempelaufdruck vermerkt ist, daß die Empfehlung nicht gelten solle, falls der Empfänger Jude sei. Die „Straßburger Bürger-Zeitung“ bemerkt zu dieser Nachricht: „Ein markantes Beispiel unverständlicher Unduldsamkeit, dem man in den Vogesen kaum begegnen wird.“ Das „Mülhauser Tageblatt“ schreibt: „ Eine eigenartig eReklame leistet sich eine Kurverwaltung im benachbarten Baden“ und zitiert dann die nachstehende Aeußerung des badischen „Landesboten“: „Bisher war dergleichen im (Vchwarzwald nicht üblich. Bei uns war

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