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Im deutschen Reich · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. 81

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Article
[Ohne Titel]
Date
1914-02-01
Page
81 (sequence 7)
Language
German
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V ereinsnachrichten. 81 — Im großen Saale der Harmonie in Freibnrg i. Br. sprach Herr Reichstagsabgeordneter Dr. Ludwig Haas aus Karlsruhe am 24. Januar über den „Kampf der deutschen Inden um die Gleichberechtigung". Nach einer Schilderung der bestehenden Zurücksetzung auf den verschiedensten Gebieten des staatlichen Lebens führte der Redner in eindringlicher Form aus, daß wir dagegen uns als Juden, äver auch als deutsche Staatsbürger energisch zur Wehr setzen müssen. Mit dem wirksamen Aufruf, sich dem Centralverein anzuschließen, schloß der Redner seine Ausführungen, denen lebhafter Beifall gezollt wurde. In der Diskussion forderte auch Herr Dr. Jos. Lewy aus Günterstal nachdrücklich zum Beitritt zum Centralverein auf. Die von Herrn Hauptlehrer heidingsfeld geleitete Versammlung, der besonders die Mithilfe der^ Frauenwelt erbat, war aus Freiburg und den umliegenden Ortschaften von etwa 250 Personen besucht. Line Reibe von Neuanmeldungen war der Lrfolg der Veranstaltung. (Die noch ausstehenden Berichte über mehrere andere in den letzten Wochen stattgehabten Versammlungen werden im Märzheft now nachgetragen) — In der Juli-Nummer (1913) des „Kirchenblattes für die katholische Pfarrei Bischheim" fand sich unter der Ueberschrift „Das ausgebrütete Lntlein läuft zum Wasser" folgende Bemerkung: „An der Menschenkreatur hat vor allem ihren großen Anteil die Herkunft von den Eltern. Dem kleinen Iüdlein steht man ganz gut an, daß es von Juden herkommt; aber es hat nicht nur ein Iudengesicht, sondern wenn es in die Höhe wächst, wird es alsbald großen Hang zum Schachern, Geschäfte machen, manchmal auch zum Wucher und Betrug zeigen. Das Iüdlein hat das eben geerbt von seinem hebräischen Vater." — Auf unsere an S. Eminenz den Bischof von Straßburg gerichtete Beschwerde hat das Bischöfliche Ordinariat wegen dieser die jüdische Bevölkerung verletzenden Aeußerung dem Pfarrer von Bischheim seine Mißbilligung ausgesprochen. — Als der verstorbene Schlachthofinspektor und Tierarzt Evers, mit dem der Inhaber der Adler-Apotheke in Arys, Paul Levy - s o h n, in bestem Einvernehmen stand, wegen schwerer Erkrankung seine Privatpraxis aufgeben mußte, bat der Kreistierarzt in Iohannisburg, Veterinärrat Kleinpaul, den Apotheker Levhsohn, sich nach einem geeigneten anderen Tierarzt umzusehen. Auf den Zuerst ablehnenden Bescheid Levysohns erwiderte er, daß ihm dadurch ein besonderer Gefallen geschähe und übergab ihm die Adresse der Berliner tierärztlichen Wochenschrift mit dem Hinzufügen: „er werde stets betonen, daß dieses Inserat aus seinen Wunsch aufgegeben sei." Bei der Aebergabe des Inserats unter der Chiffre: „Oshra" wurde dies auch in dem Begleitschreiben an die Wochenschrift ausdrücklich bemerkt. Als aber nach dem Tode des Tierarztes Evers der Bürgermeister von Arys sich an den Kreistrerarzt Kleinpaul wegen einer Vertretung gewandt hatte, erfuhr Herr Apotheker Levysohn, daß dieser in der „Berliner tierärztlichen Wochenschrift" selbst folgendes Inserat aufgegeben hatte: „Wegen schwerer Erkrankung des Kollegen Evers in Arys (Ostpreußen) wird vorläufig ein Vertreter gesucht. Entschädigung 10 M. pro die und Nebenerwerb durch Praxis. Bei voraussichtlicher baldiger Neubesetzung der Schlachthausstelle würde derselbe zuerst Berücksichtigung finden. Die anscheinend von dem jüdischen Apotheker in Arys in der letzten B. T. W.

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