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Im deutschen Reich · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. 83

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Article
[Ohne Titel]
Date
1914-02-01
Page
83 (sequence 9)
Language
German
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Wirtschaftliche Angelegenheiten. 83 das Geld der Inden wie das Andersgläubiger. Wir nehmen an, daß die Touristen jüdischer Konfession der Kurhausverwaltnng in AnLerftmatt gerne den Gefallen tun, wegzubleiben, und auch dafür sorgen werden, daß die „christliche" Gesinnung des neuen Wirtes in den weitesten Kreisen bekannt wird." Wirtschaftliche Angelegenheiten. — Die Konfefftonaltficrung der geschäftlichen Betriebe hat sich in den letzten Jahren so eingebürgert, daß sie selbst solchen Arbeitgebern, die sich ernstlich dagegen verwahren, Antifemnen zu fein oder sonst rückschrittlichen Tendenzen zu huldigen, als etwas ganz Harmloses erscheint. Es mag ihnen auch fern liegen, Andersgläubige verletzen oder schädigen zu wollen, aber sie geben sich gar nicht die Mühe, zu erwägen, welche Folgen ihre Handlungsweise hat und wohin es führen muß, wenn jede Konfession nicht nur in religiöser, sondern auch in sozialer und wirtschaftlicher Beziehung sich auf den Verkehr mit denen beschränkt, die an kirchlichen Dingen gleichgesinnt sind. Wer das Kaiserwort „Wir stehen im Zeichen des Verkehrs" in seiner vollen Bedeutung versteht, kann sich unmöglich der Wahrnehmung verschließen, daß auf dem jetzigen Wege der Konfessionalisierung ein Kulturvolk mehr und mehr auf mittelalterliche Verhältnisse zurückgeschranbt und unfähig wird, bei den im eigenen Betriebe vollzogenen Ginschränkungen den Wettbewerb im Weltverkehr aufrecht zu erhalten. Deshalb, nicht nur zur Verhütung der unfern Glaubensgenossen erwachsenden Schädigungen und peinlichen Empfindungen unverdienter Zurücksetzung, sondern auch aus Gründen der Vaterlandsliebe nehmen wir möglichst gegen jede zu unserer Kenntnis gelangende Veröffentlichung Stellung, die solche Spuren der Engherzigkeit aufweist, wie z. B. die von einzelnen polnischen Kreisen gegen deutsche Geschäfte ausgegebene Losung „D er A n s e r e bei den Unser n". In der Berliner Tageszeitung „Deutscher Kurier" stand unlängst ein Inserat: „Wissenschaftliche Buchhandlung von W. W e b e r, Berlin IV, Eharlottenstr. 48, sucht Lehrling (evang.) mit guter Schulbildung." Vorstellungen, die deshalb Herrn W. Weber gemacht wurden, veranlassen ihn zu der schriftlichen Erklärung: „Zur Aachricht, daß mir konfessionelle Bedenken gegen die mosaische Religion bei der Auswahl meines Personals fernliegen." Wenn wir nicht angenommen hätten, daß hierbei nur ein Fehler eines Angestellten vorliege, hätten wir jede Anfrage unterlassen. Dem Wortlaute des Inserats nach muß man aber annehmen, daß die Firma gegen jedes nicht evangelische Bekenntnis der Anzustellenden, auch gegen das mosaische, Bedenken hegt. — Zu unserer Liste der G r o ß - B e r l i n e r Apotheken : Die Flora-Apotheke in Eharlottenburg, Scharrenstraße 6, ist nicht mehr im Besitze des Herrn Hübner, der in der Pharmazeutischen Zeitung bei Ausschreibung von den Stellen nichtchristliche Bewerber ausgeschlossen hatte, tocit dem 1. Juli 1912 hat die Flora-Apotheke einen Besitzer, der unser langjähriges Vereinsmitglied ist und jüdische Herren beschäftigt. — Der Besitzer der Friedrich W i l -

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