Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- Antisemitismus im Fürstentum Reuß i. L.
- Date
- 1914-02-01
- Page
- 71 (sequence 2)
- Language
- German
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V er einsnachrichten. 71 widerspruchslos ihm folgenden Zuhörerschaft charakterisierte. Daß. seine Worte nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen sind, bewies der laute Beifall einer recht erheblichen Minorität. Herr Rechtsanwalt Goldschmidt verteidigte dann mit zündenden Worten die Stellungnahme der jüdischen Bürgerschaft, die nicht nach Herrschaft strebe, sondern nur charaktervoll genug sei, um nicht einer Zeitung durch Inserate das Geld hinzutragen, die ihr vordem eine schwere Schmach zugefügt hatte. Das Schlußwort des Referenten brachte nur die interessante Feststellung, daß er — obwohl angeblich vorgebildeter Politiker — einen deutschen Politiker von der Bedeutung Gabriel' Rießers nicht kannte! Für unfern Verein hatte die Versammlung das erfreuliche Ergebnis, daß die jüdischen Bürger Geras in eine aus den folgenden Tag angesetzte Veranstaltung des jüdischen Jugend- Vereins einen Vortrag des Herrn Assessors Dr. Rahmer-Berlin einschalteten, der in kurzen Worten das Programm und die Tätigkeit des Centralvereins skizzierte. Herr Dr. Hirsch und Herr Rechtsanwalt Dr. Goldschmidt dankten daraufhin dem Centralverein in herzlichen Worten für die erfolgreiche linterstützung in den vorangegangenen schweren Tagen; die übrigen Anwesenden bekundeten gleichfalls ihre Dankbarkeit; 28 von ihnen schlossen sich unserm Centralverein sofort als Mitglieder mit recht ansehnlichen Jahresbeiträgen an. Diesen Erfolg für unseren Verein hatten sich wohl die Antisemiten bei Anberaumung ihrer Versammlung nicht träumen lassen; sie zeigten sich auch hier wieder als „ein Teil von jener K r a f t, die st e t s das Böse will und doch das Gute schaff t". Die Angelegenheit Duisburg. Wie der „Israelit" in Ar. 52 des vorigen Jahrgangs mitteilte, ist in einer Versammlung der deutsch-sozialen Partei die Behauptung ausgestellt worden, es hätten Duisburger Juden in einem Schreiben an den Kultusminister die ausländischen Glaubensgenossen ihrer Gemeinde als Angehörige „der Sekte der Chassidäer, die dem Ritualmord huldige", hingestellt. Wir würden kaum Veranlassung haben, auf diese in der Antisemitenversammlung vorgebrachte Fälschung einzugehen, wenn nicht auch in den jüdischen Zeitungen in den letzten Monaten von den Vorgängen bei den letzten Wahlen in der Gemeinde Duisburg Darstellungen gegeben worden wären, die in mancher Hinsicht Bedenken erregen können. Da gelegentlich auch versucht worden ist, dem Centralverein irgendeine Verantwortung für diese Vorgänge zuzuschreiben, so haben wir es für notwendig gehalten, trotz unseres Standpunktes, in innere Angelegenheiten jüdischer Gemeinden nicht einzugreifen, dcm Sachverhalt nachzugehen. Daraufhin können wir erklären, daß, wenn etwa in der Oeffentlichkeit eine Beunruhigung über die dortigen Vorgänge entstanden