Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- Der Centralverein in Elsaß-Lothringen
- Date
- 1914-02-01
- Page
- 60 (sequence 4)
- Language
- German
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60 Im deutschen Reich. gierung kann über Maßnahmen ihrer Beamten und Organe in den beiden Kammern des Landtags durch die Einwirkung des Centralvereins auf einzelne Abgeordnete auf dem Wege der Interpellation zur Rede gestellt werden. Das ist vor einigen Monaten getan, als der Kreisdirektor in Forbach sich auf das antisemitische Gebiet begeben hatte. Man weiß heute im Lande, daß wir da sind und daß wir mit Unterstützung der Zentrale in Berlin bereit sind, zu jeder Zeit einzugreifen und Abhilfe zu schaffen. Material geht uns heute von allein zu und vor wenigen Wochen hat sich bei einer Entgleisung des Pfarrers in Bischheim das Bistum Straßburg auf unsere Seite gestellt. Trotz der Kürze unseres Bestehens ließen sich die Beispiele — leider — ansehnlich vermehren. Ich möchte nur noch hervorheben, daß wir bei den in nächster Zeit vorzunehmenden Wahlen zum Kaufmannsgericht der Stadt Straßburg, sehr energisch einzugreifen beabsichtigen (natürlich nur gegen den rühmlichst bekannten deutschnationalen Handlungsgehilfenverband) und die Vorbereitungen dazu in vollem Gange sind. Der wirtschaftliche und gesellschaftlichej Antisemitismus ist bei uns in Elsaß-Lothringen nicht größer, aber auch nicht kleiner als in den übrigen Teilen des Reiches. Dem Kaiserlichen Herrn Statthalter muß nachgesagt werden, daß er wie seine Frau Gemahlin sich frei wissen von jeglicher Art von Antisemitismus. Wir haben ihn schon bei jüdischen Wohltätigkeitsbasaren, den jüdischen Wohltätigkeitsanstalten und in manchen Synagogen des Landes gesehen. Graf Wedel ist nicht so engherzig, von seinen offiziellen Festlichkeiten Juden auszuschließen. Wären die Nachgeordneten Beamten nur von gleichem^ Geiste beseelt. Wie der Centralverein im ganzen Lande in bezug auf die Großindustrie, die Großbanken usw. zu klagen hat, davon können wir manch Liedlein mitsingen, trotzdem wir im Oberelsaß, speziell eine Reihe von jüdischen Großindustriellen haben. Diese Herren stehen leider dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bis heute noch ziemlich ablehnend gegenüber. Man sollte meinen, daß diese Herren durch den Fall des Einjährigen Bloch in Mülhausen vor einigen Jahren gewitzigt sein sollten. Leider ist dem nicht so. So ist hier nicht der Platz und heute auch noch nicht die Zeit, um die Frage in ihrer ganzen Tragweite aufzurollen, wie ich es auch heute vermeide, über die Art und Weise mich auszulassen, in der uns in Straßburg und Colmar bisher einige Führer der Zionisten entgegengetreten sind. Wir haben bis heute in Straßburg, Colmar, Metz, Diedenhofen, Hagenau, Bischweiler, Weißenburg und Bischheim Ortsgruppen gegründet und sind! fortgesetzt damit beschäftigt, in weiteren Gemeinden festen Fuß, zu fassen. Die Gründung eines Landesverbandes ist eine Frage der nächsten Zeit. Unsere Mitgliederzahl ist eine sehr ansehnliche und in stetem Wachsen