Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- Der Centralverein in Elsaß-Lothringen
- Date
- 1914-02-01
- Page
- 61 (sequence 5)
- Language
- German
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Preußische Behörden und Juden als Sachverständige. 6 t begriffen. Die von uns! veranstalteten Vortragsabende mit freier Diskussion sind durchweg sehr gut besucht, und wir dürfen ohne Aeberhebung sagen, daß wir jüdisches Interesse wecken und wach halten. Dringend zu wünschen wäre noch, daß, in unsere Versammlungen die Herren Konsistorialmitglieder und Synagogenrate, wie auch so manche der sogenannten oberen Zehntausend, noch zahlreicher kämen. Ob reich oder arm, ob hoch oder niedrig, ob Akademiker, Kaufmann oder Angestellter, wir alle, wir haben das gleiche gemeinsame Interesse auch in Elsaß- Lothringen, Anrecht an uns zu verhüten und zu erreichen, daß auch die kleinsten Auswüchse von Anduldsamkeit beseitigt werden. In steter und reger Arbeit werden und müssen wir zu unserem Ziele gelangen, wobei wir uns immer vor Augen halten müssen, daß auch wir noch so manche Fehler abzulegen haben. Der Centralverein wird nicht nur als eine starke, schützende Wacht hinter den elfaß-lothringischen Juden zu jeder Zeit stehen, sondern er wird als solche auch dazu beitragen, unser Selbstgefühl und Selbstbewußtsein zu heben. Preußische Behörden und Juden als Sachverständige. Ein trauriger Fall aus der Tätigkeit des Centralvereins. Etwas Tiefbetrübliches ist geschehen! Ein Jude ist von einer unter staatlicher Aufsicht stehenden Feuersozietät in einem Prozesse vor Gericht als Sachverständiger abgelehnt worden, weil er Jude ist, und diese Schmach, dieser Schlag ins Gesicht der ganzen deutschen Iudeuheit ist ungesühnt geblieben, trotzdem wir bis zur höchsten Instanz, bis zum Minister des Innern, den Kampf um unser Recht getragen haben. Mit tiefem Schmerze müssen wir gestehen: Alle Instanzen haben versagt, und es hat sich wieder einmal mit klarer Deutlichkeit gezeigt, wie weit wir noch davon entfernt sind, wirklich gleichberechtigte Bürger im deutschen Vaterlande zu sein. Aber zur Kenntnis weiter Kreise wollen wir den Vorgang und die Stellungnahme preußischer Behörden bringen, um zu zeigen, was jüdischen Staatsbürgern gegenüber Mr Rechtens befunden wird. — — Es schwebt vor dem Landgericht in Münster i. W. seit einigen Jahren ein Prozeß eines jüdischen Kaufmanns I. L. aus Berlin gegen die Westfälische Provinzial-Feuer-Sozietät wegen einer Brandentschädigung. In diesem Prozesse wurde vou der Aachener Feuerversicherungsgesellschaft ein Jude aus Cöln als Sachverständiger vorgeschlagen. Bon dem Gerichte ausgesordert, sich zu diesem Vorschläge zu