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Im deutschen Reich · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. 53

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Article
Die moderne Jüdin
Date
1914-02-01
Page
53 (sequence 5)
Language
German
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Die moderne Jüdin. 7.3 Gerechte Richter haben wir nicht zn scheuen. Wir können nicht nur auf eine ruhmvolle Vergangenheit stolz sein, sondern auch auf das, was wir jetzt leisten und sicher in erhöhtem Maße leisten werden, wenn nicht mehr ungerechte Vorurteile den Flügelschlag unseres Geistes hemmen werden. Ans hat das Wohlleben nicht erschlaffen lassen, denn es ist nur wenigen unter uns verliehen und wird selbst diesen noch vielfach vergällt. Der Mehrzahl nach stehen die deutschen Jüdinnen im Erwerbsleben und bilden einen nicht unwesentlichen Bestandteil der vielen arbeitenden Frauen des Vaterlandes. Wenn wir ,,modern" sind, dann sind wir es nur in dem Sinne des Satzes: ,,Das Weib von gestern wollte den Besten haben, die Frau von heute will die Beste sein!" Das Empörendste in dem Buche, das ich bespreche, steht auf einem solchen Niveau, daß es kaum eine Entgegnung verdient. Es ist ein Urteil über die jüdische Jugend, für das keine andere Begründung gegeben wird als ein unerhörtes Pöbelgeschwätz, das die Verfasserin leichthin zu einer angeblichen ,,feststehenden Redensart der Junggesellen jüdischer Rasse" stempelt. Mit der Wiedergabe dieser aus dem Schmutze ausgelesenen Beschimpfung der jüdischen Jugend hat die Verfasserin ihr mit den Antisemiten liebäugelndes Buch vollständig zum „Pamphlet" gestempelt. S o ist die weibliche jüdische Jugend in Berlin W nicht, so ist sie nirgends! So wird sie auch nie vom „jüdischen Junggesellen" abgeschätzt, die, zu ihrer Ehre sei es gesagt, selbst wenn sie aus Abwege geraten, nie vergessen, was ihre Mutter ist oder war, was ihre jüdischen Schwestern sind, was sie von ihrer künftigen Gattin mit Zuversicht erwarten dürfen. Aebrigens beschränkt sich die Lästerung nicht auf die jugendlichen Jüdinnen eines Teils der Reichshauptstadt, in dem sich die Hausväter ebenso erfolgreich dagegen wehren konnten, wie es seinerzeit die christlichen Hausväter eines anderen Berliner Stadtteils getan haben, als ein geistlicher Sittenprediger eine sehr ähnliche angeblich ,,feststehende Redensart von Junggesellen" seiner Konfession über Töchter anständiger Familien öffentlich erwähnt batte. Else Eroner geht viel weiter, sie sagt: ,,Berlin hat vorbildlich und ab färbend aus die übrigen Schichten der jüdischen Mädchen gewirkt."' Das ist ebenfalls unwahr und würde von Statistikern auf Grund der Kriminalitätszifsern leicht zu widerlegen sein, auch von solchen, die bereits ans Schaden warnend hingewiefen haben, die auf den zunehmenden Lurus, aus die Folgen der Spätehen, der Mitgistjägerei und anderer Bebel der Neuzeit zurückzurühren sind, die aber keineswegs auf jüdische Kreise beschränkt oder in diesen eher weniger als mehr als in anderen hervorgetreten sind. Die Verfasserin gibt (S. 2ö ihres

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