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Im deutschen Reich · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. 52

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Article
Die moderne Jüdin
Date
1914-02-01
Page
52 (sequence 4)
Language
German
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Im deutschem Neich. Menschentum gelangen lassen werde. Bei. manchen handelt es sich dabei nicht nur um die eigene Existenz, um eine sorgenfreiere Zukunft; sie könnten bei ihrer Anspruchslosigkeit sich auch durch Erteilung von Privatunterricht durchs Leben schlagen, aber sie altern früh unter der Last von Arbeit und Sorgen, weil sie eine alte Mutter zu ernähren haben oder einem studierenden Bruder über schwere Zeiten hinweghelfen zu müssen glauben. Ist es da nicht ein schweres Anrecht, solche Kämpferinnen zu kränken und zu schädigen, indem man durch Herabsetzung der Jüdinnen ungerechte Vorurteile gegen sie noch verschärft? Verdienen jene Frauen nicht Hochachtung, die in industriellen Betrieben, in der Künstlerwerkstatt, in den SLudierstuben der Gelehrten unter den für Jüdinnen erschwerten Verhältnissen sich durchzusetzen wissen und Anerkennurig erringen wie z. B. jene drei weiblichen jüdischen Professoren, deren Bildnisse kürzlich von illustrierten Blättern gebracht wurden? Wir brauchen keine Vogel-Strauß-Politik zu treiben, brauchen keine Schäden zu beschönigen, die überall, also auch in der jüdischen Gemeinschaft, Vorkommen, hier aber möglichst vermieden werden, weil der stiefmütterlich behandelte Jude weiß, daß Stiefkinder sich mehr zusammen nehmen müssen als die Kinder, die man verzärtelt. Dagegen aber müssen wir uns wehren, daß man beständig den Juden gegenüber Entgleisungen einzelner, auch solcher, die gar nicht mehr zu uns gehören, der Gesamtheit anrechnet und fälschlich als Fehler der Gattung barst eilt. So hat auch Else Croner vieles, was ihr und auch un§ mißfällt, SpielwuL, Modefexentum, Neuerungssucht u.a. nt., lauter Dinge, die anderwärts ebenso, wohl sogar noch häufiger, Vorkommen, ohne weiteres den Jüdinnen aufgebürdet. Ihre Behauptung, die modernen Jüdinnen propagieren das Neue nur, weil es neu sei, stimmt nicht mit ihrer apodiktisch aufgestellten Behauptung überein: ,,Kämpferinnen sind sie nicht!" Die Jüdinnen, die ich kenne, besitzen vielleicht keinen ^Schöpfer- Willen", aber oft habe ich sie kämpfen sehen, um sich treu 31t bleiben. Ich fand sogar, daß sie sich im Streite für Lebenswerte durch tieferes Denken vor der Mehrheit der früheren Jüdinnen vorteilhaft auszeichnen. Immer sich in Widersprüchen verwirrend, meint unsere Tadlerin, es gäbe unter den Jüdinnen keine Einsiedlernaturen, und doch gibt es so viele, die in Seelengröße Leid und Kummer still ertragen, abgeschlossen von der Außenwelt, streng gegen sich selbst, mild und verzeihend gegen andere, die zuletzt als Dulderinnen in frommer Ergebenheit dem Tode entgegengehen. Ebenso widerspruchsvoll ist es, alles Unnatürliche der Mode den Jüdinnen zuzuschieben und gleichzeitig die Frage auszuwersen: ,,Gibt es überhaupt noch einen modernen Typus ,Jüdin' oder liegt er längst unter Ghettomauern begraben?"

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