Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- Die moderne Jüdin
- Date
- 1914-02-01
- Page
- 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die moderne Jüdin, aber Else Croner noch zu uns, und wollte sie nach Art zürnender Propheten Mißstände recht scharf geißeln, dann durfte sie ihre Vorwürfe nicht verallgemeinern und nicht alle im Leben stehenden Jüdinnen herabsetzen, von denen sie, wie zu ihren Gunsten angenommen werden kann, wenig oder gar nichts weiß. Hat sie denn eine Ahnung davon, daß die modernen jüdischer: Frauen sich in allen Teilen Deutschlands zu einem jüdischen Frauenbund zusammengeschlossen haben, der den Unterdrückten und Enterbten zu ihrem Rechte verhelfen will? Nennt sie dies Asfimilantentum? Zielbewußt und aufrecht führt da die moderne Frau gemeinsam mit dem Manne den Kampf um das heiligste Gut, um die Menschenrechte. Die Jüdinnen sind heute wie früher als Gattinnen und Mütter die Hüterinnen des Hauses und Herdes. Wenn sie sich schmücken, geschieht es, um dem eigenen Manne anmutig zu erscheinen, auch dann noch, wenn das Haar schon erbleicht, das Antlitz schon gefurcht ist. Dabei wollen sie modern sein und sind es tatsächlich. Sie verstehen die Zeit, in der sie leben, und sind dadurch dem Manne treue und geschickte Mitarbeiterinnen bei dem Aufbau des Hauses und des Lebens. Bemüht, mit den Fortschritten der Wissenschaft Schritt zu halten, sind sie durch Ausnutzung aller Bildungs- Möglichkeiten treffliche Lehrmeisterinnen ihrer sie hochschätzenden Kinder. Elfe Croner erkennt in dem Schlußkapite! „Ziele und Wege" an, daß in der männlichen jüdischen Jugend eine Renaissance, ein Aufstieg, ein (Streben nach Tüchtigkeit und Treue unverkennbar ist. Wäre aber bei dem großen Einfluß, den die Verfasserin selbst der jüdischen Mutter im jüdischen Hause einräumt) eine derartige Renaissance möglich, wenn der Typus der heutigen Jüdin von ihr richtig gezeichnet wäre? Frauen, die gedankenlos, übermütig und gefallsüchtig ihr Leben, verzetteln, hat es zu allen Zeiten und bei allen Volksstämmen gegeben; bei den Juden bilden sie die Ausnahme, nicht die Regel! Die Mehrheit der Jüdinnen weiß, daß man nicht nur lebt, um zu genießen und sich zu belustigen, ist dazu auch gar nicht in der Lage. Wo sind denn in dem Buche der Croner die zahlreichen jüdischen Mädchen erwähnt, die mit den Männern im Kampfe ums Dasein wetteifern, oft genug nur niedrig besoldet, ungenügend behütet, den Gefahren der Großstadt gegenüber stehen, aber durch ihre Charakterstärke und Seelenreinheit beweisen, daß sie das alte Ahnenschild des Judentums mit Stolz makellos zu halten wissen. Würdigt Else Croner die Glaubenstreue der jüdischen Lehrerinnen, die alle ihnen versagten Anstellungen au öffentlichen Schulen sofort unschwer erlangen können, wenn sie ihre religiöse Aeberzeugnng verleugnen? Diese modernen Jüdinnen lieben dabei, trotz des ihnen zugefügten Anrechts, ihr deutsches Vaterland, von dem sie vertrauensvoll erwarten, daß es sie künftig zu einem harmonischen