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Im deutschen Reich · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. 50

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Article
Die moderne Jüdin
Date
1914-02-01
Page
50 (sequence 2)
Language
German
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50 Im deutschen Ne ich. segnen mußte, als Warnung vor einem immerhin nicht unmöglichen Niedergang ihr Gutes haben. Aber in der Hauptsache ist der Inhalt des Buches eine ungerechte Herabsetzung der jüdischen Frauen, die nur den Gegnern der Juden Dienste leisten wird. Gegen ein solches Werk einer begabten Schriftstellerin, die mindestens durch Geburt und Erziehung als Jüdin gilt, lege ich laut und vernehmlich Protest ein! Für wen ist eigentlich ihr Buch geschrieben? Für die Jüdinnen doch nicht, die dieser SpliLLerrichterei nicht bedürfen, für die I u d e n s e i n d e auch kaum, die im Karikaturenzeichnen selbst das Möglichste leisten. Die Verfasserin will, wie aus ihrem Vorwort zu entnehmen ist, ein Buch in die Welt schicken, das Aufmerksamkeit erregen soll. Ämter ihrer gewandten Feder ersteht aber nur ein Bild, dem man ansieht, daß in der Brust der Schreiberin zwei ganz verschiedene, widerstrebende Gefühle vorhanden - sind, daß sie vielleicht ein ganz anmutiges, oder ein hoheitsvolles, ein antikes oder modernes, ein rührendes oder bezauberndes Bild schaffen würde, wenn nicht seltene eigentümliche Erfahrungen oder widerwärtige Eindrücke ihre Hand lähmten und ihre Arbeit verpfufchten. Auf ihren inneren Zwiespalt deutet sie selbst hin und gibt zu, die Jüdin sei kein moderner, sondern der älteste Frauentypns, der „konservativste", der sich also konservieren konnte und, so weit nicht eine Modernisierung wünschenswert war, konserviert hat. Immer mit Paradoxen ringend, meint sie, die moderne Jüdin scheine eben ein Widerspruch in sich zu sein, aber der Widerspruch liegt in der Verfasserin selbst, nicht in dem Gegenstand ihrer Betrachtung. Kennt sie denn überhaupt Jüdinnen in Berlin XV, daß sie zu behaupten wagt, daß dort solche leben, wie sie sie geschildert hat? Selbst wenn die Zeichnung der „Berliner XV-Iüdin" aus eine größere Zahl zuträfe, als es in Wirklichkeit der Fall ist, so steht diesem Bilde das ganz anders geftalLete entgegen, das die Verfasserin selbst von den anderen Kreisen der jüdischen Frauen (der Frau des Akademikers, der Frau aus ärmeren Schichten, der Jüdin in der Provinz usw.) entwirft. Gibt es nicht in dem Berliner Stadtteile XV und in anderen der Reichshauptstadt sowie im ganzen Deutschen Reiche zahllose jüdische Frauen und Mädchen, bei denen Ehrbarkeit und Zucht den unantastbaren Bestand ihrer Eigenart bilden? Nur erbitterte Iudenhasser bezweifeln, daß die Lebensauffassung und Führung jüdischer Frauen mustergültig sei: soll das Arteil einer verbitterten Jüdin diesen Nichtjuden eine andere Meinung beibringen? Die bizarre Art Else Croners, die sich selbst in dem Titelblatt ihres Buches kund gibt, wird selbst manchen Judengegner abstoßen. Die dem Judentum sich Entfremdenden finden bekanntlich fast nur bei den Missionaren Anterkunst; den radikalen Antisemiten gelten sie als unwillkommene Helfer. Gehört

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