Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- Berlin
- Date
- 1914-01-01
- Page
- 33 (sequence 6)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 33 — In einer von ihm neuerdings veröffentlichten Schrift „Die Vertrustung Deutschlands'' gesteht der „Nektor alter Deutschen", Ahlwardt ein, daß seine frühere Stellung gegen das Judentum zum größten Teil auf Irrtum beruhte. Noch deutlicher ist seine Erklärung: „Die jetzigen Antisemiten, deren Antisemitismus, abgesehen von gewissen Blödsinnigkeiten, nur den Zweck hat, einer bestimmten Interessengruppe zu dienen, nominell dem Mittelstände, in Wirklichkeit den Großagrariern, werden mich jetzt als einen Abtrünnigen betrachten, der die interessante Hülle des Antisemitismus von sich ab schüttelt, um den berechtigten Kern herauszuschälen ...— — In der am 27. November abgehaltenen Hauptversammlung des Vereins für S t a t i st i k der Juden erstattete der Vorsitzende, Nechtsanwalt Dr. Bruno Blau den Geschäftsbericht, in dem insbesondere auf den Wert der vom Bureau herausgegebenen ^Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden", aus diel festgesetzten Arbeiten an einem großen Tabellenwerke, auch auf die von der Großloge unterstützte Statistik der jüdischen Wohlfiahrtspflege! u. a. m. verwiesen wurde. Nachdem der Kassenbericht erstattet war, erfolgten die Wahlen in das Kuratorium und in den Vorstand. An die mit Beifall anfgenommenen Vorträge des Dr. I. Segall über „Die Juden und das deutsche Wirtschaftsleben" und des Rechtsanwalts Dr. Rudolf Wassermann ans München über „Die Kriminalität der deutschen Juden" schloß sich noch eine interessante Aussprache. — I n dem M i s s i o n s - M o n a L s b l a t t „Israels Hoffnung" das im Missionshaus „Bethel" in Wandsbek von Herrn Pastor Dolman unter dem irreführenden Titel „Israels Hoffnung" herausgeaeben wird, ist kürzlich folgendes ber'chwt worden: „Ein junger Israelit wurde neulich auf falsche Beschuldigung seiner eigenen Eltern hin, als er im Begriff war, die Grenze zu passieren, verhaftet, aber dieses und viele andere Hindernisse haben ihn nur um so mehr in seinem Entschlüsse befestigt, sobald als möglich dieses Land zu verlassen und an einem anderen Owe öffentlich sich zum Glauben an Iesum zu bekennen. Die Eltern dieses jungen Mannes sind überaus streng orthodox und würden selbst zu den äußersten 'Mitteln greifen, um zu verhindern, daß ihr Sohn ein Christ würde. Dieser selbst erzählte mir, daß in verschiedenen orthodoxen Sbnagogen Lembergs sich eine Anzahl Juden reaelmäßig jeden Abend zum Studium des Talmud zusarnmenfände. Am 6. Januar jedoch, dem Tage, an welchem die griechische Kirche das Wechnachtsreü feien, hätten sie das Leien des Talmuds unterlassen. Nach jüdischer Anschauung nämlich haben die Seelen der Verstorbenen im Fegseuer von solchem Talmudlesen einen Nutzen; es schafft ihnen, so lange es geschieht, Erleichterung. Damit nun ia nicht etwa auf irgendeine Weise die Seele Christi an solcher segensreichen Wirkung des Talmudlesens teil habe, Word die re"elmäßiae Gewohnheit an diesem Tage unterbrochen; dageaen wird eine Ansvrache gehalten, in welcher'mit gotteslästerlichen Gedanken und Ausdrücken die Behauptung, als ob Jesus ein Held und M^rtvr^r oder aar der Messias sei, widerlegt werden soll." — Selten iü eine ieln barmlo'e jüdische Sitte so tmdenüos dargeüellt und gedeutet worden, wie es in dieser Leistung des Herrn Pastor Dolman geschehen, der mit Arwerstützung getauter Juden armen durchreisenden Juden längere Zeit Rnterkunft und Speise