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Im deutschen Reich · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. 32

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Article
Berlin
Date
1914-01-01
Page
32 (sequence 5)
Language
German
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32 Im deutschen. Reich. — Die Konfession alisierung im G e s ch ä fLs le b en nimmt immer mehr überhand. In Mainz Versender tue „Maß- Schneiderei" Vordemfelde & Schae fer I n h. Hans S ch a e f e r S ch u sl e r st r a ß e 17 nachstehendes Schreioen: „P)ie Sie aus Ihrem Cinkaufsbucy ersehen, geyören wir dem Verein der christlich-nationalen CmkausS-Sparvereinigung an und bitten Sie deshalb, uns bei Bedarf in Herrenunv Knaoen-Garderobe, fertig und nach Maß, mit Ihrem werten Besuch zu beehren. Wir werden stets bemüht sein, Sie gut, richtig und bilftg zu bedienen u,w." -— Im „Frankenrhaler Tagedlart" verofsentlrchre oer Inhaber der Firma P. Koob & Lo., Bachfolger, die eine zahlreiche jüdische Kundschaft haben soll, folgenve Anzeige: „Sin ch r i st l ich e § Mädchen aus guter Familie kann bei mir sofort in die Lehre treten." — Einem Mitglied des Centralvereins ging vor einigen Wochen eine Postkarte zu, in der die Iürma Her m a n n Schwarz, Lackfabrik in Magdeburg, ihre neueste Spezialität „^eidenglanz-Mattlack" empfiehlt. Fast gleichzeitig kam diesem Vereins- Mitglied zufällig ein Fragebogen zu Gesicht, den ein Bewerber um eine vakante Stellung in dem Magdeburger Hause zur Ausfüllung erhalten hatte. Da dieser Bogen auch eine Anfrage nach jüdischer Herkunft enth ielt, war die Vermutung berechtigt, daß die Firma zwar Offerten an bekannte jüdische Abnehmer versendet, aber Angestellte „jüdischer Herkunft" grundsätzlich nicht beschäftigt) also auch solche Bewerber ablehnt, die nicht eine „arische" Herkunft Nachweisen können. — Im „Berliner Tageblatt" erschien am 12. Oktober ds. I. ein Inserat, in dem von der G c a G. m. b. H., Berlin W, Potsdamer Straße 10, eine Stenotypistin mit dem ausorucklichen Zusatz „Christin" gesucht wurde. Da uns mehrere Zuschriften von Mitgliedern den Beweis lieferten, daß die jüdische Kundjchaft des Verlags an diesem Inserat Anstoß genommen habe, glaubten wir, dem „Gea-Verlag" dies mitteilen zu müssen. Der Verlag hat darauf am 23. Oktober erwidert, er erblicke in der Tendenz unseres Schreibens einen beabsichtigten Eingriff in seine internen geschäftlichen Dispositionen, und bedaure eine Antwort auf unsere Anfrage grundsätzlich nicht erteilen zu können. Da keine Antwort in solchem Falle denselben Wert wie e i n e A n t w o rt hat, erachten Win die Angelegenheit durch unsere Veröffentlichung als erledigt. — In Bummer 420 des „Berliner Tageblattes" erschien vor einigen Wochen folgendes Inserat: „I. F. Meyer Stettin sucht einen christlichen Verkäufer". Darauf aufmerksam gemacht, daß der konfessionelle Zusatz, durch den jüouche Bewerder ausgeschlossen werden, geeignet sei, verletzend zu wirken, hat die Firma I. F. Meyer geantwortet, daß sie bisher christliches Per,onal beschäftigt habe und durch ihr Inserat „eine Prinzipieufrage nicht zum Ausdrucks . gebracht" werde. — Wir sind anderer Meinung! — Einer der Inhaber der in der Bovemoernurnrner diejer Zeitschrift erwähnten Firma I. F. S ch w a r z l o s e Söhne ist bei einem unserer Vorstandsmitglieder erschienen und hat den beanstandeten konfessionellen Zusatz in dem Inserat der Firma damit zu entschuldigen gesucht, daß er geglaubt habe, für den in Betracht kommenden Posten aus bestimmten geschäftlichen Gründen nur einen christlichen Beamten verwenden zu können. Er hat versichert, daß er persönlich antisemitischen Tendenzen fernstehe, insbesondere der ihm bekannten und von ihm verurteilten Bestrebungen des deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes, obwohl er zurzeit allerdings jüdisches Personal nicht beschäftige.'

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