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Im deutschen Reich · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. 30

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Article
Berlin
Date
1914-01-01
Page
30 (sequence 3)
Language
German
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30 Iw deutschen Reich. hernnterged onn ert. Am den Schein der Objektivität zu wahren, begann Herr Dr. Werner mit einer Anerkennung jüdischer Intelligenz und jüdischen Zusammengehörigkeitsgefühls, um dann mit den üblichen Argumenten die Juden und ihre bedeutendsten Männer in den Schmutz zu ziehen. Zum Beweise der wirtschaftlichen Missetaten der Juden mußten aus dem Zusammenhang gerissene Zitate aus den Werner Sombartschen Schriften herhalten. Daneben wurden Stellen aus Mommsen und Treitschke angeführt — die gegenteiligen Aussprüche der großen Historiker aber verschwiegen. Nachdem der Vortragende die hervorragendsten Männer der Finanz- und Handclswelt in der taktlosesten Weise bewitzelt hatte, ging er daran, den Haß und die angebliche Grausamkeit des jüdischen Schächtverfahrens zu brandmarken. Als ein weiterer Beweis für „die Grausamkeit der Juden"' galt Herrn Dr. Werner die Feier des Purimsestes um der Abschlachtung von 60- bis 70 000 unschuldigen Persern. Seinen Worten setzte er die Krone auf mit unsinnigen Bemerkungen zum Beilisprozeß und wagte in der Hauptstadt des Deutschen Reiches öffentlich mit der Behauptung hervorzutreten, die jüdischen Gesetze billigten und förderten den Ritualmord! Hierauf trat Herr Dr. Werner mit der ^weiteren Behauptung hervor, die Juden härten noch keinen, einzigen bedeutenden Entdecker oder Erfinder hervorgebracht. Weder der Erfinder der Buchdruckerkunst noch der Erfinder des Schießpulvers seien Juden gewesen. (!) — In Schmähworten gegen den Erfinder des Salvarsans, Professor Paul Ehrlich, scheute sich der Redner nicht, einen der größten lebenden Forscher einen „Blender" zu nennen, dem Manne, der jeden materiellen Vorteil aus seiner Erfindung von vornherein abgclehnt hat, Geldgier vorzuwerfen. Der Rest seiner Ausführungen war lauter Jammer darüber, daß. der „Hammer" noch immer nicht die führende Zeitung in Deutschland geworden sei; den Schluß bildete die Bitte, „keine jüdische Zeitung mehr im Hause zu dulden, und für keinen Pfennig Ware in einem jüdischen Geschäfte zu kaufen!" — An diese Rede schloß sich noch eine Aussprache, die bis 2 Ahr nachts währte. Einige jüdische Redner traten den ungeheuerlichsten Auswüchsen des Wernerschen Fanatismus entgegen. Der vornehmen und sachlichen Art, in der Herr Werner Loevy die Darstellungen des Referenten berichtigte, konnte dieser selbst seine Anerkennung nicht versagen. Dadurch gelang es eine Zeit hindurch, den leidlich ruhigen Don der Versammlung aufrecht zu erhalten, aber schließlich riß die, dem Stil der ganzen Veranstaltung angemessene Radaustimmung wieder ein. ■— In Ar. 11 der Monatsschrift „Der Impfgegner" veröffentlicht der Generaldirektor Sieber, Berlin-Schlachtenfee, in einem „Mesothorium" überschriebenen Aufsatz folgendes: „Die neuen Heilmittel dienen meist nur dazu, gewisse Leute zu bereichern. Daß die Erfinder und Ausbeuter (dieser E-ubstanz, Anm. d. Red.) meist dem orientalischen Stamm a n g e h ö r e n, ist wohl mehr wie ein Zufall. Ist man doch in jenen Kreisen geneigt, die ärztliche Praxis als ein gewinnbringendes Geschäft zu betrachten, wobei das Schicksal eigentlich Rebensache ist". — In demselben Artikel äußert sich der Verfasser wie folgt: „Von gleichem Geiste beseelt, zeigt sich ein Dr. med. Neumann, der da sagt: „Das Maß von Hygiene, das dem Volke dienlich ist, bestimmen wir!" Also die Kunst des Arztes ist diesen Leuten aus dem Orient nur einträgliches Geschäft: 'sie machen die Leute planmäßig krank."

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