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Im deutschen Reich · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. 29

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Article
Berlin
Date
1914-01-01
Page
29 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 29 der angesehensten Juden und Christen aufforderte, „die Verwahrung einlegen gegen den Schimpf, der mit diesem (Beilis-) Prozeß dem Judentumder Wahrheit und Gerechtigkeit angetan wird." Irrdem ich mich bereit erkläre, für den Fall des Zutreffens der im 8 19 bezeichneten Voraussetzung die üblichen Einrükkungsgebühren zu entrichten, zeichne ich hochachtungsvoll Jacob OrnsLein." Hierzu bemerkt das Innsbrucker Blatt: „Wir haben die Daten der „Piusvereinskorrespondenz^ entnommen, die sonst äußerst zuverlässige Information bietet und überlassen e s h i e m i t getrost unfern Lesern, w en sie mehr Vertrauen entgegenbringen. Das Bestehen von Nitualmorden sowie geheimer jüdischer Sekten, welche derartigen Verbrechen aus religiösem Fanatismus nachjageNi ist übrigens geschichtlich erwiesen und läßt sich mit ß 19 nicht ohne weiteres abtun." — — So sieht bei den braven Antisemiten eine Berichtigung aus! — Der Verlauf des Kiewer Prozesses hat übrigens die Unwahrheit der /Innsbrucker Auffassung wiederum dargetan. Aber bei seinen Lesern fürchtet die Redaktion offenbar diese Erkenntnis nicht. — Der d e u t s ch v ö l k i s ch e Akademikerverband in Berlin hatte am 20. November an beiden Eingängen der Universität ein Flugblatt verteilen lassen, das einen Protest gegen „die Verleihrungen deutscher Namen an Juden und Polen enthielt, die aus geschäftlichen oder gesellschaftlichen Gründen ihre wahre Abkunft verdecken wollen". Das Flugblatt war durch seine Ausführungen wie z. B. „Herr S ch m u l in seiner Bescheidenheit" „Ist Denn der deutsche Name vogelfrei?" u. a. m. geeignet, aufreizend und verletzend zu wirken. Das mit dem Namen „Dr. Sommerfeld t" Unterzeichnete Flugblatt enthielt eine Einladung zu einer an demselben Abend im Marine- Haus veranstalteten Versammlung des deutschvölkischen Akademikerverbandes in Berlin, in dem Herr Wilhelm Schaefer- K a r l s h o r st das Thema „Schutz dem deutschen Namen" in unverfälscht antisemitischem Sinne behandelte und als letztes Ziel dieser deutschvölkischen Bestrebung die Schaffung eines „N e i ch s s i p p e n a m t e s" bezeichnet^ das in allen Fällen, wo mit der Namensänderung ein geschäftlicher Vorteil oder eine rassische Verschleierung offensichtlich bezweckt werde, die Verweigerung von Staats wegen herbeisühren solle. Nach den Berichten der antisemitischen Blätter ist auch in dieser Versammlung, die übrig.ms schwach besucht war, eüne Entschließung im Sinne dieser Ausführungen angenommen worden. Ob solche Treibereien dem deutschen Namen Schutz und Ehre bringen? Wir Juden wollen und werden den deutschen Namen besser schützen als Heißsporne, die dem deutschen Namen das Brandmal des Antisemitismus aufdrücken. Wie mag übrigens Herr S o m m e r f e l d t auf den Gedanken gekommen sein, baß ihm jüdische Neider seinen „deutschvölkischen" Namen mißgönnen? ' ' : ■ f! — „D i e Jude n die Könige unterer Zer t." Ämter diesem Schlachtruf war am 11. Dezember v. F. eine antisemitische Volksversammlung nach dem „Marinehaus" in Berlin einbernfen; aber auf die massenhaften blutroten Anschläge hin hatten sich kaum hundert „national" gesinnte Mannen eingefunden. Der Nufer im Streit war der grimme Oberlehrer ans Gießen, Neichstagsabgeordneter vr. Werner. In mehr als zweistündiger Rede wurde das ganze Repertoire der Hammermänner

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