Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- Die Begründung des Provinzialverbandes Westpreußen
- Date
- 1914-01-01
- Page
- 25 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Begründung des Provinzialverbandes Westpreußen 25 mit der Mitteilung ein, daß dieser Versammlung eine um so größere Bedeutung zukomme, als sie die erste allgemeine Versammlung des soeben neu gegründeten Provinzialverbandes West Preußen darstelle. Herr Or. Rahm er-Berlin überbrachte im Aufträge des Centralvorstandes dessen Glückwünsche zu der Reugründung. Sodann nahm Herr Rabbiner Dr. Werner das Wort zu seinem Vortrage „Abwehr und Einkehr". Er habe in Danzig als Rabbiner 17 Jahre ungetrübten Glückes verlebt und es sei ihm eine doppelte Freude, nach wiederum 17 Jahren zu seiner alten Gemeinde zu sprechen. Er erinnerte weiter an die letzten Worte, die ihm der damalige Oberbürgermeister der Stadt Danzig bei einem ihm zu Ehren gegebenen Abschiedsessen entgegengerufen habe, wonach es Aufgabe der Religion sei, zu einen und nicht sich zu befehden und hob hervor, daß es diese Idee sei, der er fürderhin dienen wolle. Gerade dieses Wirken zum Frieden sei auch eine wesentliche Aufgabe des Centralvereins geworden. Friede sei das Ziel unseres Glaubens, das Ziel der Kultur, das Ziel des sittlichen Fortschritts. Doch vor der Erreichung dieses hehren Ziels sei der Kampf nötig, da die Zeit für den endgültigen Frieden noch nicht reif sei. Deswegen kämpfe der Verein in erster Reihe für das politische Recht jedes Staatsbürgers, nach Würdigkeit und Fähigkeit und nicht nach seinem Glaubensbekenntnis beurteilt zu werden. Weiterhin trete der Verein in die Bresche, wenn es sich um Angriffe gegen die uns heilige, ehrwürdige jüdische Religion handle. Auf den, der das Glück habe, in den tiefen Schacht des Talmuds eingedrungen zu sein, müsse es doppelt erschütternd wirken, jetzt in der Zeit der Aufklärung Flugblätter zu lesen, in welchen unsere religiöse Ehre mit Füßen getreten werde. Demgegenüber sei es mit größter Dankbarkeit anzuerkennen, bag in dem Centralverein eine Instanz geschaffen sei, von der aus die Aufklärung solcher Irrtümer in den weitesten Schichten der Bevölkerung gesorgt werde, eine Instanz, die sich an das Volksbewnßtsein und nötigenfalls an die Gerichte wende. Aber auch innerhalb unserer Mitglieder selbst müsse für Aufklärung gesorgt werden. Die jüdische Gemeinsamkeit müsse von dem Bewußtsein getragen werden, daß wir mlt Stotz uns von denen zurückziehen, die den Namen Jude nicht tragen wollen oder ihn ihren Kindern entziehen. Der Kampf gegen die getauften Juden sei mit Freuden zu begrüßen, da diese uns schlimmere Feinde seien als eine Schar von Indenhafsern. Mit Stolz betonen wir auch unsere Zugehörigkeit zum deutschen Vaterlande! Wenn wir unserm Vaterlande nicht mit ganzer Seele angehörten, könnten wir auch nicht verlangen, daß unsere politische Stellung unangetastet bleibe. Deutsche aber seien wir unserer Sprache nach, unfern Sitten, unserm innersten