Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-01-01
- Page
- 14 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316841-2316842--24135-2348014- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 Im deutschen Reich. unsere kulturelle Geschlossenheit als Juden müssen wir schon hier mit allen Mitteln f ö r d e r n." Solche Bestrebungen können als der Empfindungswelt und der Aeberzeugung der deutschen Juden widersprechend nicht scharf genug zurückgewiesen werden. Leider häufen sich derartige Auswüchse und eine Zusammenstellung aller solcher Aeußerungen aus unserer Mappe dürfte auch vielen Zionisten, welche noch unsere Resolution mißbilligen zu müssen glauben, die Augen erheblich öffnen. Einer jeden Entfremdung entgegenzutreten, haben wir auch in der Wanöerwogelbewegung allen Anlaß. Die Kämpfe für oder gegen die Juden im Wandervogel werden weiter ausgetragen. Die Entscheidung ist noch unsicher. Daß der Eentralverein seine Pflicht tut, braucht nicht hervorgehoben zu werden. Wogegen er sich aber in aller Oeffentlichkeit wenden muß, ist der Beitritt in die neugegründeten jüdischen Wandervogelvereinigungen, welche den Namen „Blau-Weiß" tragen. Ganz abgesehen davon, daß es sich hier trotz allen Bestreitens um nichts anderes als um Bereinigungen handelt, welche die Kinder im einseitigsten jüdischen Nationalismus erziehen wollen*), gibt man wegen einiger antisemitischer Schreier seine Stellung in einer großen Bereinigung nicht kampflos auf. Aebrigens ist der „Blau-Weiß" schon älter als es die antisemitischen Exzesse in der Wandervogelbewegung sind. Daraus folgt, daß die vielfach gemachte Angabe, der Blau-Weiß sei eine Reaktion gegen den Antisemitismus im Wandervogel, einen Irrtum darstellt. Wer von der Jugend wandern will und sich einer lokalen Wandervogelvereinigung nicht anschließen kann, möge sich an unsere Iugendvereine wenden, die durch Einrichtungen von Sport- und Wanderabteilungen jenem berechtigten Wunsche entgegenkommen, ohne einer einseitig nationalistischen Politik zu dienen. Mutlos und feige sind diejenigen Juden, welche auf jedes Einsetzen antisemitischer Tendenzen dem Gegner das Feld *) In einer neulich abgehaltenen Propagandaversammlung des Blau-Weiß in Berlin, in welcher der national-jüdische Eharakter der Bereinigung nicht offen ausgesprochen und jede Diskussion ausgeschlossen wurde, gab ein Referent ein Telegramm zum Besten, das «er dem Freideutschen Iugendtage gesandt hatte. Der wesentliche Inhalt des Telegramms war der, daß auch die Juden eine körperliche Erstarkung ihres Volkes wünschten, sie k ö n n t e n d a s a b e r n ich t gemeinsam mit den Vertretern der arischen Rasse tun. Das Ziel sei dasselbe, aber die Wege seien andere. Das Telegramm schloß mit den Worten „Schalom." (!)